Wien, 6. Bezirk, Gumpendorferstraße: Vier Zimmer, Küche, Bad – und eine verpasste Gelegenheit

Das Zimmer mit dem Flügel, den
keine von uns spielen konnte,
überließ ich gern meiner Freundin.

Das romantische Erkerzimmer
nahm sich fraglos die andere Freundin,
sie hatte die Wohnung für uns gefunden.

Das Poetenzimmer mit den Schleiflackmöbeln,
in das ich mich schon – dichtend – geträumt hatte,
bekam schließlich doch – trotz Münze! – die Freundin der Freundin.

Mir blieb das Durchgangszimmer zur Küche
(und zum Bad, doch das hatte noch eine zweite Tür):
Man hätte auch gleich im Flur leben können…

Trotzdem ist aus mir keine Wiener Kaffeehaus-Literatin geworden.
Schade, eigentlich.

 

Besinnung

Wo
ist der Ort,
an den ich gehöre?
Hier.

Wann
ist die Zeit,
auf die ich warte?
Jetzt.

Wer
ist der Mensch,
zu dem ich werden möchte?
Ich.

Und mit diesen weihnachtlich-besinnlichen Versen wünsche ich all meinen treuen Leserinnen und Lesern ein paar stille und friedliche Weihnachtstage und ein gutes Neues Jahr. Habt Dank für Eure stete Begleitung, Euren Zu- und Widerspruch, wovon dieser Blog lebt.

Vorn und Hinten

Kein Wunder,
wenn du da unten
nicht mehr weißt,
wo vorn, wo hinten ist,
wenn es dir
hinten und vorn nicht reicht,
während es denen da oben
vorn und hinten reingesteckt wird.

Kein Wunder,
dass du da hinten
die Welt derer da vorn
nur noch
von hinten sehen kannst.

Wir sollten vielleicht noch einmal
von vorn anfangen.