
Autor: Lyrifant
in Wortnot (3)
wie kann ich meine Wörter hören
dort, wo ich einfach nur schauen muss:
so weit die Weite, so licht das Licht
in Wortnot (2)
ich höre kein Wort mehr
dort, wo mir der Wind um die Ohren
brüllt, die See mir ins Gedärm tost und
die Sonne mir laut ins Gesicht lacht
in Wortnot (1)
ich kann meine geliebten Wörter nicht hören
dort, wo Motoren unaufhörlich brummen, wo ständig
irgendwelche Töne aus irgendwelchen Smartphones
summen und schwätzende Menschen einfach niemals
verstummen
Sofreh-ye haft sin*
Salz in Deines Lebens Suppe
Sand in die Getriebe, die es nötig haben
Seelenruhe dort, wo Wut nicht hilft
Senkblei, um Dich aus- und aufzurichten
Silbermöwen, die auf neuen Wegen Dich begleiten
Sonne, die warm Dir auf den Rücken scheint
Süßholz gegen alle Bitternis der Welt
* Zu Nouruz, dem persischen Neujahrsfest (in diesem Jahr beginnt das persische Neue Jahr heute um 22:58 Uhr), stellt man sieben Dinge, die mit dem Buchstaben س (sin) beginnen, auf ein Tuch (das Sofreh), das man auf einem Tisch oder auf dem Boden ausbreitet. Heute hab ich nur eine Lyrifant-Variante für Dich, mein Liebster – für alles andere war es jetzt leider zu spät 🙁 Dafür umso mehr von Herzen: سال نو مبارک – Alles Gute zum Neuen Jahr!
Mein Schneckenhaus
ein Rückzug in
mein Schneckenhaus
hilft mir so ganz und gar
nicht, weil ich mich so ganz
und gar und tief in meines
Schneckenhauses
Windungen
verirr
nordwärts
nordwärts
zieht es mich
ins polargrüne Licht
über nachtweißem Land
und winterschwarzem Meer
mit Dir
nordwärts
ziehe ich mit Dir
mich neu einzunorden
lichtwärts landwärts meerwärts
hin zu Dir
polwärts
Klage
zum Tod von Werner Schneyder
und wieder
eine spitze Zunge
weniger
ach, unsre Welt
wird immer
stumpfer
Furor
außer mir
bin ich noch immer
in der Welt
aus der Welt
will ich sein ganz
in mir
Frühfrühfrühling!
Frühlingsduft
in Frühlingsluft
und Frühlingsklang
in Frühlingssang
und Frühlingswonne
in Frühlingssonne!
Ein erster Krokus noch als Plus!
Zu früh, meinst du? Das sei nur Stuss?
Komm raus vors Haus
und schau dich um!
Ja, es ist früh – frag nicht, warum.
Ja, es ist Früh- (es ist soweit!),
es ist Frühfrühfrühlingszeit!
Die Kunst der Interpretation
in Sinnsuche versiert:
des Lesens kundig,
im Deuten geübt,
so fündig wie
findig
nur die Zeichen des eigenen Lebens
vermag ich nicht zu verstehen
Märchenwald
eine Idee von Klapperhorn aufgreifend: https://klapperhorn.wordpress.com/2019/02/13/maerchenwald/ (eine Geschichte ist es nicht geworden, aber immerhin ein – wenn auch nicht ganz ernst gemeintes – Gedicht 🙂 )
Im Märchenwald, im Märchenwald,
da lachen mir die Märchen nur so zu.
Im Märchenwald, im Märchenwald,
da fliegen mich die Märchen nur so an.
Im Märchenwald, im Märchenwald,
da fallen mir die Märchen nur so ein.
Der Märchenwald, der Märchenwald,
hat mich verhext, verprinzt, verfroscht –
Oh Märchenwald, oh Märchenwald!
Im Märchenwald, im Märchenwald,
da lachen mir die Hexen nur so zu.
Im Märchenwald, im Märchenwald,
da fliegen mich die Prinzen nur so an.
Im Märchenwald, im Märchenwald,
da fallen mir die Frösche nur so von den Bäumen.
Kaum bin ich aus dem Märchenwald,
wird mir die Fantasie so bald ganz kalt:
Kein Märchen mehr lacht mir noch zu.
Von Hexen ganz zu schweigen.
Kein Märchen mehr fliegt mich noch an.
Von Prinzen keine Spur.
Kein Märchen mehr fällt mir noch ein.
Von Fröschen? – nix.
Ein Märchen wollt ich doch so gern
erzählen: Es war einmal … so fang ich an
und weiß dann einfach nicht mehr weiter.