noch bevor das Schiff in die Havel einbiegt:
unvermittelt (dem eifrigen Wind sei Dank)
ihren schweren erdigen Geruch
schon in der Nase
Autor: Lyrifant
Verse, am Wasser geschrieben
Tatsächlich: Libellenmiszellen
libellenscheu
sind Verse, am Wasser geschrieben:
kaum gefunden, schon wieder
entschwunden
libellenleicht
sind Verse, am Wasser geschrieben:
geflügelt kaum, beinahe nur
ein Traum
libellenblau
sind Verse, am Wasser geschrieben:
blau wie Himmel und See
und nichts mehr
als blau
Wasserpoesieträume
ich sitze am Wasser
und träume – ach!
könnte ich schreiben, wie
ich wollte: ich schriebe
Ruderwanzenromanzen
auf Schwanendruckfahnen
und ja! neben Mückenstücken auch
gelegentlich Wassermottenklamotten
unter diversen Entenfragmenten –
am liebsten aber doch
Libellenmiszellen
überSchreiben
Inspiriert durch Georg Weißbachs Arbeiten des Übermalens, die gerade im Zentrum für Aktuelle Kunst in Spandau zu sehen sind
mit meinen eigenen Worten
die Worte der Anderen
überschreiben
oder in anderen Worten:
schreiben überSchreiben
Wassergesänge
Wassergesänge
wollt’ ich schreiben:
statt dessen schwimme ich
– stumm vor Glück –
weit und weiter hinaus
ins singende Wasser
Kurzglückfragmente (30)

der Wildnis ganz nah im Grüngürtel um die Ecke:
wohliges Schnauf-Schmatz-Grunzen
unbeirrt schmausender Wildschweine
einfach einfach
Inspiriert von Fabios heutigem „Denkbrocken“ https://denkbrocken.com/2024/08/02/uebung/ (Danke, Fabio!).
einfach einfach
is’ einfach nich’:
einfach ist einfach
viel schwieriger
als nicht einfach
Lyrische Wegkarte
a
m
r
a
n
d
e
d
e
r
s p r a c h e
ein einziges Drama
mein Bauch strebt nach
epischer Breite, doch
mein Kopf denkt in
lyrischer Kürze
Hühnerpoesie
immer nur schön ackern
und brav weiter rackern
bis die Wörter nur so schlackern
und die Reime fröhlich flackern
bitte nur nicht: Verse tackern!
lieber: einfach lustvoll gackern!
Lose inspiriert von dem Band „Hühner“ aus der wundervollen Naturkunden-Reihe von Matthes & Seitz.
noch immer
für Claudia
noch immer
dauert mich
Dein früher Tod
noch immer
trauert schwer
mein Herz
noch immer
kauert tief
in mir die Not
noch immer
lauert überall
der Schmerz
Etüden
bei mir geht Üben stets nur in Schüben:
ich schieb’s von hüben nach drüben,
treib’s nur im Trüben und (sch)reib
meine (p)rüden Etüden
zu müden Rüben