Das Ende des Weges ist
dort, wo du aufhörst
weiterzugehen.
(17 Silben, aber trotzdem kein Haiku)
Das Ende des Weges ist
dort, wo du aufhörst
weiterzugehen.
(17 Silben, aber trotzdem kein Haiku)
haiku haiko hai
ki haike haika – haikau
haikeu haikai: hai
Warum darf ich nicht
sprechen über das, was
Dir nahe geht?
Denkst Du,
mir geht es nicht
genauso nahe wie Dir?
Warum willst Du nicht,
dass ich Dir nahe bin in dem, was
Dir nahe ist?
Fürchtest Du,
ich trete Dir zu nahe,
wenn ich Dir nahe sein will
auch in dem, was nur
Dir nahe ist?
Wäre ich Dir näher,
wenn ich Dich allein ließe
mit dem, was
Dir nahe geht,
mit dem, was
Dir nahe ist?
Aber dabei in der Nähe bleibe?
Manchmal bist Du so weit weg,
obwohl Du neben mir bist.
Ich frage: Wo bist Du?
Du sagst: Bei Dir.
Bin ich es, die
so weit weg ist?
Ein Gedicht noch aus unseren Anfangstagen…
Dem Zorn eine Stimme.
Dem Leid ein Gesicht.
Der Angst den Rücken.
Dem Schmerz eine Schulter.
Dem Unrecht die Stirn.
Dem Frieden die Hand.
Auf die Liebe ein Auge.
Der Menschheit ein Ohr.
Der Welt in den Hintern.
Die Kunst vom Kopf auf die Füße.
Und nicht zuletzt:
Der Suppe ein Haar.
Wäre ich jung,
wäre das Leben reicher.
Wäre ich reich,
wäre das Leben schöner.
Wäre ich schön,
wäre das Leben leichter.
Wäre ich nur klug,
dann wüsste ich, dass es nicht
Jugend,
Reichtum,
Schönheit
sind, die das Leben
reicher,
schöner,
leichter
machen.
Sie kommen und suchen bei uns
gesenkten Hauptes Asyl.
Wir empfangen sie
am ausgestreckten Arm
und heißen sie
bei lebendigem Leib willkommen.
Wir weisen sie
alle Hände voll zurück,
sehenden Auges,
und sie kehren um,
mit offenem Mund und
den Rücken zur Wand,
sie gehen
stehenden Fußes, aber
aufrechten Ganges.
Mögen sie bald wiederkehren
und uns – diesmal
erhobenen Hauptes und
die Nase gestrichen voll –
unsere Schuld
unter die Haut schreiben,
bis über beide Ohren.
Und mögen uns ihre Schreie
mit Händen und Füßen heimsuchen
am ganzen Körper.
nach Paul Celan
Schwarzes Meer der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens wir trinken dich zwischen Nacht und Tag
wir trinken und sinken
wir sinken und trinken
wir schöpfen ein Grab aus den Wassern
Sie hören die Möven uns hören sie nicht sie rufen
sie rufen “Zurück” sie zählen
die dicken Fische
hinter den dicken Mauern aus Wasser
hinter den engen Wachen aus Stein
Nass ist
dein aschenes Haar du Mensch auf der Flucht
Tief sinkt
dein bleierner Leib der Tod ist ein Meister aus
Europa
Liebe muss man pflegen.
Ob es wohl reicht,
wenn man sie
regelmäßig abstaubt
und einmal die Woche schrubbt?
Oder wenn man sie
wenn nötig wäscht
und danach wieder gut glatt bügelt?
Oder wenn man sie
zweimal die Woche gießt
und ab und zu umtopft?
Oder wenn man ihr
jeden Abend das Bett macht
und Essen auf Rädern bringt?
Oder wenn man sie
gelegentlich warten
und kleinere Reparaturen durchführen lässt?
Ich fürchte,
so käme unsere Liebe
nicht über den TÜV.
Du schreibst
von rechts nach links.
Und ich schreibe
von links nach rechts.
Das gibt uns die Chance,
uns aufeinander zu
zu schreiben.
Es birgt für uns aber auch die Gefahr,
uns voneinander weg
zu schreiben.
Nur eins wird uns nie gelingen:
uns parallel in die gleiche Richtung
zu schreiben.
Gut, dass Schreiben und L(i)eben
zwei verschiedene Dinge sind.
Weg von Dir
fehlst Du mir.
Ganz nah bei Dir
fehlt nichts mir.
Zu eng mit Dir
fehl’ ich mir.
Wieder weg von Dir
wieder fehlst Du mir.
aus Anlass des verkaufsoffenen Sonntags am Bundestagswahlsonntag 2013
Votieren und Konsumieren –
das ist die erste Bürgerpflicht.
Kaufe ein und stimme ab,
wähle, kaufe, zahle.
Kaufe vier, bezahle drei.
Wählst du eine, regiern dich zwei.
Das ist unser Wahlrabatt,
ganz ohne Paybackkarte.
Blöd nur, dass neu gewählte Regierungen
vom Umtausch ausgeschlossen sind.