Weg von Dir
fehlst Du mir.
Ganz nah bei Dir
fehlt nichts mir.
Zu eng mit Dir
fehl’ ich mir.
Wieder weg von Dir
wieder fehlst Du mir.
Weg von Dir
fehlst Du mir.
Ganz nah bei Dir
fehlt nichts mir.
Zu eng mit Dir
fehl’ ich mir.
Wieder weg von Dir
wieder fehlst Du mir.
aus Anlass des verkaufsoffenen Sonntags am Bundestagswahlsonntag 2013
Votieren und Konsumieren –
das ist die erste Bürgerpflicht.
Kaufe ein und stimme ab,
wähle, kaufe, zahle.
Kaufe vier, bezahle drei.
Wählst du eine, regiern dich zwei.
Das ist unser Wahlrabatt,
ganz ohne Paybackkarte.
Blöd nur, dass neu gewählte Regierungen
vom Umtausch ausgeschlossen sind.
Ist mir doch alles Wurst.
Sowieso alles Käse.
Geht mir alles auf die Eier.
Ist doch alles kalter Kaffee.
Die haben sowieso alle einen im Tee.
Solange mir nur keiner die Butter
vom Brot nimmt.
Schmiert ihnen nur weiter Honig ums Maul.
Reinen Wein
wird ihnen zum Frühstück
ohnehin niemand einschenken.
benutzt
abgenutzt
ausgenutzt
wem nutzt es?
gebraucht
verbraucht
missbraucht
wer braucht das?
bewertet
verwertet
abgewertet
was sind wir uns wert?
Mit jedem Gewinn
an Erfahrung
verlierst du ein Stück
heilige Einfalt.
Mit jedem Gewinn
an Einsicht
verlierst du ein Stück
Gottvertrauen.
Mit jedem Gewinn
an Erkenntnis
verlierst du ein Stück
Unschuld.
Doch mit jedem dieser Verluste
gewinnst du auch ein Stück
jener luziferischen Weisheit,
die dir hilft,
in einer paradieslosen Welt
zu bestehen.
Sollte das nicht eine
(Erb-)Sünde wert sein?
“Schwarzmalerei!”
rufen die Schönfärber empört.
“Schönfärberei!”
ereifern sich die Schwarzmaler.
Da lacht der Teufel,
den ich an die Wand gemalt habe,
um ihn gleich wieder
mit einem Pinselstrich
zu übertünchen.
Er fordert mich auf,
endlich Farbe zu bekennen.
Ein neuer Anstrich
wäre ganz nach seinem Geschmack –
in welcher Farbe auch immer.
Ich wasche ihm die Tünche wieder ab
und bekenne freimütig:
Weder das Schwarz der Schwarzmaler
noch die bunte Palette der Schönfärber
würde ihm den Anstrich geben können,
der ihm entspräche.
Das Opfer ist weiß.
Der Täter ist schwarz.
Der Täter wird verurteilt.
Das Opfer ist schwarz.
Der Täter ist weiß.
Der Täter wird freigesprochen.
Schwarz-Weiß-Malerei?
Mag sein.
Aber in der weißen Welt
leider immer noch oft genug
schwarze Realität.
Worauf es im Leben ankommt
– als ob es einen Fahrplan gäbe -,
Was das Leben bietet
– als ob das Leben ein Gemischtwarenladen wäre -,
Was im Leben wirklich zählt
– als ob sich das Leben rechnen müsste -,
Was das Leben lebenswert macht
– doch zu welchem Preis? -,
wird mich wohl das Leben kosten.
Dass das Leben sich lohnt,
werde ich mit dem Leben bezahlen müssen.
Muss ich mein Leben wirklich so teuer verkaufen?
Man reicht mir die Hand
und stellt mir ein Bein.
Man nimmt mich in den Arm
und setzt mir den Fuß in den Nacken.
Man fällt mir um den Hals
und lacht mir ins Gesicht.
Man tätschelt mir die Wange
und stößt mich vor den Kopf.
Man redet mir nach dem Mund
und zeigt mit dem Finger auf mich.
Man schaut mir in die Augen
und tritt mir auf die Zehen.
Man fällt mir zu Füßen
und zwingt mich in die Knie.
Man klopft mir auf die Schulter
und fällt mir in den Rücken.
Man pinselt mir den Bauch
und gibt mir einen Tritt in den Hintern.
Ich fahre aus der Haut.
Ich bin gewiss nicht so töricht wie
der Rabe,
der seinen Käse fallen lässt,
nur weil der Fuchs ihm schmeichelt.
Ob ich aber so einsichtig wäre wie
der Bär,
der aufhört zu tanzen,
als das Schwein ihm applaudiert?
Doch sicherlich wäre ich eitel genug,
mein Affenherz hinzugeben,
wenn mich – in aller Freundschaft –
das Krokodil darum bäte.
“Noch mal Schwein gehabt,”
grunzt das Schwein
und räkelt sich
ganz schweinisch auf seinem rosa Sofa.
“Das geht auf keine Kuhhaut,”
muht das Rind,
bevor es – brüllend wie ein Stier –
noch einmal auf Ochsentour geht.
“Da hab ich meine Schäfchen gerade noch ins Trockene gebracht,”
blökt das Lamm
und freut sich
auf sein Schäferstündchen mit dem Wolf.
“Morgen kräht kein Hahn mehr nach mir,”
gackert das Huhn
und legt noch schnell
ein goldenes Ei.
“Heute gibt es kalte Ente,”
quakt die Ente
und lässt sich mit Bowle volllaufen,
bis sie schwimmt.
“Ich glaub, mich tritt ein Pferd,”
wiehert das Pferd
und geht noch einmal
Pferde stehlen,
denn es fürchtet einen Pferdefuß.
Nur der Fisch bleibt stumm
und hofft, dass auch am
Happy Veggie Day
die Fische nicht doch
zum Gemüse zählen.
für Uta B., die mir zwei Bleilettern geschenkt hat
O!
SO!
OSSO?
OOOOOOO!
SOSS – SO?
O, SO!
SSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS…
O!
SSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS…
O-OO!
SSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS…
SOS!
SSS – SSS – SS – SS – S – S –
OOOOOOOOOOOOOOOO!
SOSO!