Pressefreiheit ist
die Freiheit,
die Freiheit
zu pressen, bis
die Presse
freigepresst und
die Freiheit
pressefrei ist.
Autor: Lyrifant
artig unartig
unartig schimpfen
mich die, die mich
artig haben wollen
dabei liegt es nicht
in meiner Art,
unartig zu sein
vielmehr gehört es
zu meinen Unarten,
artig sein zu wollen
unartig bin ich
nur in dem Sinne, dass ich
aus der Art schlage
artig aber will ich sein
in meiner Art:
andersartig
eigenartig
einzigartig
Hymne auf das Wörterbuch
Das liebste Buch
ist mir das
Wörterbuch.
Es nennt
die Wörter
bei ihrem Namen.
Es sieht
den Wörtern
ins Gesicht.
Es kennt
der Wörter
Her- und Zukunft.
Es spricht
der Wörter
Sprache
und denkt
ein jedes Wort
zu Ende.
Es fasst
ein jedes Wort
in das ihm eigene Gefäß.
Es setzt
ein jedes Wort
in den ihm eigenen Satz.
Es träumt
die Wörter
zu Gedichten und Geschichten
und lässt doch
die Wörter
Wörter sein,
indem es
Wort und Sache
trennt
und für jedes seiner Wörter
in gleichem Maße
brennt.
Unterschiede
Es ist ein Unterschied,
ob ich einen Reim auf die Welt finde oder
ob ich mir einen Reim auf die Welt mache oder
ob ich mir die Welt zusammenreime.
Es ist auch ein Unterschied,
ob ich der Welt das Wort gebe oder
ob ich der Welt das Wort rede oder
ob ich der Welt das Wort aus dem Mund nehme.
Und es ist auch ein Unterschied,
ob ich der Welt ein Lied singen mag oder
ob ich von der Welt ein Lied zu singen weiß oder
ob ich von der Welt immer nur das alte Lied singen kann.
Handscheue Zeiten
Es gibt Tage,
da empfindest du
einen bloßen Handschlag oder
einen etwas festeren Händedruck oder auch
ein ausgiebiges Händeschütteln
bereits als körperliche Gewalt.
Es gibt Tage,
da deutest du
jedes Handzeichen
als persönliche Beleidigung.
Jeder Handgriff
wird zur Handgreiflichkeit.
An diesen Tagen
bist du einfach
zu empfindlich gegenüber
dem allzu Handfesten,
dem allzu Handlichen,
dem allzu Handhabbaren.
Da würdest du am liebsten
im Handumdrehen
verschwinden oder
mit einem Handstreich
alles verschwinden lassen.
An diesen Tagen bist du
keine Handbreit bereit
zu handeln.
An Tagen wie diesen bist du
handlungsunfähig –
und verabschiedest dich deshalb
– scheinbar ganz handzahm –
mit einem Handkuss
von jeglicher Handarbeit.
An die Uneinsichtigen
- Wer sich selbst und andere kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.
(Johann Wolfgang Goethe, West-Östlicher Divan)
Das Abendland rettet
nur, wer auch ein Herz für
Das Morgenland hat.
***
Eigentlich mache ich das nicht in meinem Blog, aber bei diesem Thema muss ich doch einladen, diesen Aufruf zu unterstützen: Für ein buntes Deutschland.
Die großen Schieber
Sie schieben große Projekte an.
Sie schieben nötige Reformen auf.
Sie schieben eben mal einen Krieg ein.
Sie schieben Probleme beiseite.
Sie schieben Hindernisse aus dem Weg.
Sie schieben Flüchtlinge ab.
Sie schieben sich überall durch.
Sie schieben sich allzeit in den Vordergrund.
Sie schieben sich in die erste Reihe.
Sie verschieben Termine.
Sie verschieben Immobilien.
Sie verschieben Geld, das ihnen nicht gehört.
Sie schieben uns ihre Schulden unter.
Sie schieben uns die Schuld zu.
Geben wir den großen Schiebern
doch mal einen kleinen Schubs.
Schubsen wir sie doch ein bisschen an.
Schubsen wir sie doch einfach um.
Schubsen wir sie doch endlich weg.
Per aspera ad astra
pechschwarz
pechschwarz
dunkelgrau
dunkelgrau
dulhellgrau
iiixlichtgrau
xxilicht
Perlentaucher
So tauch ich
nach Perlen
in mir
finde ich
nur ein rostiges Wrack
voll mit wertlosem Plunder.
Funkstille
Endlich Stille.
Funkstille.
Funkenstille.
Endlich vorbei der
Funkenflug.
Endlich vorbei der
Funkenregen.
Endlich vorbei der
Funkenhagel.
Endlich nicht mehr im
Funkensturm.
Endlich im
Funkschatten.
Kein Funke sprang
über. Trotzdem
brannte es
überall.
Von meinem Funkturm
funkte ich
Funkzeichen,
Funkspruch über Funkspruch.
Doch wir funkten
auf verschiedenen Funkwellen.
Nur eine Funzel
bringt jetzt noch Licht
in die funkelnde Stille.
Endlich Stille.
Funkstille.
Und in mir wieder
ein Funken Leben.
geschrieben nach der Lektüre der Bücher “Funkstille. Wenn Menschen den Kontakt abbrechen” und “Der Sturm vor der Stille. Warum Menschen den Kontakt abbrechen” von Tina Soliman, die mir gerade sehr helfen, den späten, aber wohl unumgänglichen Kontaktabbruch zu meinen Eltern zu verarbeiten
Metamorphosen
Wem man
die Flügel stutzt,
kann nicht mehr
fliegen.
So lernte ich laufen.
Wem man
die Wurzeln abhackt,
kann nicht mehr
wachsen.
So lernte ich klettern.
Wem man
die Luft abschnürt,
kann nicht mehr
atmen.
So lernte ich tauchen.
Wem man
die Augen aussticht,
kann nicht mehr
sehen.
So lernte ich fühlen.
Wem man
die Hände bindet,
kann nicht mehr
greifen.
So lernte ich denken.
Wem man
das Maul stopft,
kann nicht mehr
sprechen.
So lernte ich schreiben.
Wem man
die Liebe versagt,
kann nicht
leben.
So lernte ich lieben.
In der Haut des Exils
Vor dreißig Jahren
bist Du hier her gekommen –
Deine nackte Haut
zu retten.
Seit dreißig Jahren
rücken sie Dir nun hier
auf den Pelz und
ziehen Dir Stück für Stück
das Fell ab.
Seit dreißig Jahren
setzen sie Dir nun hier
Laus um Laus
in Deinen Pelz,
den sie bereits unter sich aufgeteilt haben,
noch bevor sie Dir
das Fell
über die Ohren ziehen.
Seit dreißig Jahren
gehen sie Dir nun hier
unter die Haut –
unter Deine fremde Haut,
in die sie Dich
vor dreißig Jahren
gesteckt haben und
in der sie selbst
nie hätten stecken wollen.
Ein dickes Fell
hast Du für
Deine teuer verkaufte Haut
in den dreißig Jahren hier
nicht bekommen.
Nass ist Dein Pelz,
so oft ist er gewaschen worden.
Dünnhäutig,
exilhäutig
bist Du geworden
hier in diesen dreißig Jahren.
Wenn Du könntest,
würdest Du sofort
aus Deiner dünnen Haut
zu Dir nach Hause fahren.
Doch wer kann schon
aus der Haut des Exils?
30 Jahre Exil – (k)ein Grund zum Feiern?!
Doch ich danke Dir und dem Leben, dass ich über 28 Jahre davon gemeinsam mit Dir verbringen durfte, auch wenn es nicht immer leicht war und ist.