Ich liebe Dich

Meine Augen
jubeln, sobald sie
Dich sehen:
Ich liebe Dich.

Meine Ohren
jubeln, sobald sie
Dich hören:
Ich liebe Dich.

Meine Nase
jubelt, sobald sie
Dich riecht:
Ich liebe Dich.

Meine Zunge
jubelt, sobald sie
Dich schmeckt:
Ich liebe Dich.

Meine Hände
jubeln, sobald sie
Dich spüren:
Ich liebe Dich.

Von Sinnen ist
dein Jubel,
gibt mein Kopf mir zu bedenken.

Von Herzen kommt
mein Jubel,
erwidere ich.

Denn es ist
mein Herz, das
jubelt, sobald es
Dich sieht, hört, riecht, schmeckt oder spürt:
Ich liebe Dich.

zum 15. Hochzeitstag

Die Würde des Menschen

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Eberswalde. Hoyerswerda.
Rostock-Lichtenhagen.
Mölln. Solingen.

Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und
die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses
sind unverletzlich.

Nürnberg-Ost. Nürnberg-Südstadt.
Hamburg-Bahrenfeld. München-Ramersdorf.
Rostock-Toitenwinkel. Nürnberg-Gleißhammer.
München-Westend. Dortmund-Nordstadt.
Kassel. Heilbronn.

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

Templin. Magdeburg.
Dresden. Leipzig.
Wo noch überall?

Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.
Die Freiheit der Person ist unverletzlich.

Wo noch überall?
Wo noch überall?

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Zum Volkstrauertag

Leben

einatmen
xxxausatmen
einatmen
xxxausatmen
einatmen
xxxausatmen
einatmen
xxxausatmen
einatmen
xxxausatmen
einatmen
xxxausatmen
einatmen
xxxausatmen
einatmen
xxxausatmen
durchatmen
xxxaufatmen

Mein Blaues Lied

für Ahmad Schamlu, eine Art Antwort

Mit meinem Blau
male ich Sterne

in das Blaue vom Himmel.

Mit meinem Blau
schreibe ich ins Blaue.
Ein Meer von blauen Gedanken.
Die Farbe
der Tinte ist königsblau.

Das Blau war außer sich vor Freude
Als wir geboren wurden.

O Blau der Welt!
Der blaue Vogel deines Auges

sucht noch immer die Blaue Blume.

Ein blauer Augenblick ist nun mehr Seele.

O Blau der Welt!
Der blaue Vogel deines Auges
sucht noch immer das blaue Wunder.

Ein blauer Tag. Blaue Stunde:
Mein blaues Klavier
spielt mein Blaues Lied.

Mir ist in solchen linden blauen Tagen,
als ob wir
mit einem blauen Auge
plötzlich sehen

daß Jahre später
          Heimat bedeutet
ein schimmerndes Blau.

Dieses Gedicht ist eine Collage aus Texten von

  • Rose Ausländer, Verwandelt
  • Heinrich Heine, Mit deinen blauen Augen
  • Rolf Dieter Brinkmann, Von der Gegenständlichkeit eines Gedichts
  • Elisabeth Borchers, Nerudas Blau
  • Paul Celan, O Blau der Welt
  • Yvan Goll, Der blaue Vogel deines Auges
  • Novalis, Die blaue Blume
  • Ernst Trakl, Kindheit
  • Hilde Domin, Ein blauer Tag
  • Stefan George, Blaue Stunde
  • Else Lasker-Schüler, Mein blaues Klavier
  • Joseph von Eichendorff, Was wollen mir vertraun die blauen Weiten
  • Ahmad Schamlu, Blaues Lied

Bis auf Novalis und Ahmad Shamlu sind alle Gedichte zu finden in: Blaue Gedichte. Hrsg. von Gabriele Sander. Stuttgart 2001, 2012. (Reclams Universal-Bibliothek 18925). Novalis’ ‘Die blaue Blume’ ist Teil seines Romanfragmentes ‘Heinrich von Ofterdingen’. Ahmad Schamlus Gedicht ‘Blaues Lied’ findet man in dem gleichnamigen zweisprachigen Gedichtband, übersetzt von Farhad Showghi.

Alt

Krumm
Dein Rücken
von der Last Deiner Liebe
zu mir.

Grau
Dein Haar
aus unermüdlicher Sorge
um mich.

Schwer
Dein Schritt
durch das lange Gehen
mit mir.

Blind
Deine Augen
im steten Schauen
nach mir.

Alt
bist Du geworden,
mein Schatz,
bei mir,
mit mir,
durch mich,
und wohl auch meinetwegen.

Alt
aber wird nie
Deine Liebe zu mir.

 

Poetik

Greif dir ein Wort
aus der Luft
und schreibe es
in den Wind.

Wasch dein Wort
mit allen Wassern
und baue dir daraus ein Lied
auf Sand.

Schnitze dir ein neues Wort
aus dem gleichen Holz
und schieße es
auf den Mond,
in den du schaust.

Hol dir ein letztes Wort
aus dem Feuer
und bringe es
unter die Erde
und lege es
der Welt in den Mund.

 

Schuld und Unschuld

Was ist des Unschuldigen Schuld –
Wo beginnt sie?
Sie beginnt da,
Wo er gelassen, mit hängenden Armen
Schulterzuckend daneben steht,
Den Mantel zuknöpft, die Zigarette
Anzündet und spricht:
Da kann man nichts machen.
Seht, da beginnt des Unschuldigen Schuld.

Gerty Spies

 

I

Des Unschuldigen Schuld
Beginnt dort, wo endet
Des Schuldigen Unschuld.

 

II

Schuldlos schuldig
Der Schuldige
Stirbt dort, wo lebt
Der Unschuldige
Schuldig schuldlos.

 

III

Des Unschuldigen Unschuld
Schuldet ihre Unschuld
Des Schuldigen Schuld.

Des Schuldigen Schuld
Schuldet ihre Schuld
Des Unschuldigen Unschuld.

 

IV

Des Unschuldigen Schuld
Entschuldigt nicht
Des Schuldigen Schuld.

Des Schuldigen Unschuld
Entschuldigt nicht
Des Unschuldigen Schuld.

Du bist da

Du schenkst mir Wärme,
auch dann,
wenn mir nicht kalt ist.

Du gibst mir Halt,
auch dort,
wo ich auf festem Boden stehe.

Du trägst mich,
auch dorthin,
wohin ich alleine gehen könnte.

Du fängst mich auf,
auch dann,
wenn ich nicht falle.

Du berührst mich,
auch dort,
wo niemand mich berühren darf.

Du stellst mich in Frage,
auch dann,
wenn ich die Antwort zu haben glaube.

Du bist da,
nicht nur,
wenn ich Dich brauche.