zum Tod von Werner Schneyder
und wieder
eine spitze Zunge
weniger
ach, unsre Welt
wird immer
stumpfer
zum Tod von Werner Schneyder
und wieder
eine spitze Zunge
weniger
ach, unsre Welt
wird immer
stumpfer
Das Gras würde ich wachsen hören,
sagen sie. Dabei wächst dieses Gras
bereits in Berghöhe und Baumdicke
um uns herum – laut wie eine Blas-
kapelle. Da wächst jetzt auch nie mehr Gras
drüber.
Da wächst jetzt kein Gras mehr, das
noch irgendjemand wachsen
hören könnte.
Was hetzt und petzt,
verletzt, was grundgesetzt.
Was hetzt und Messer wetzt,
zerfetzt, was einst hier wertgeschätzt.
Was hetzt und noch dazu dumm schwätzt,
besetzt das wenig gute Letzt: Es ätzt und vergrätzt.
Drum seid entsetzt, jetzt! Widersetzt
euch dem und jedem, was und wer da hetzt.
Der größte Lump im ganzen Land,
das ist und bleibt der Denunziant.August Heinrich Hoffmann von Fallersleben zugeschrieben
Nun ist er wieder anerkannt:
der größte Lump, der Denunziant.
Hat er doch wieder Macht im Land
– wer hätt’s geahnt? – und so rasant.
Ein ausgedehnter Flächenbrand
erfasst die Welt vom rechten Rand
und schändet Glückes Unterpfand.
Empört euch, Menschen, Hand in Hand,
und leistet machtvoll Widerstand,
bevor Verstand- und Herzstillstand
gewinnen wieder Oberhand.
Lasst uns vertreiben diese Schand:
kein Platz hat hier der Denunziant!
Auch wenn Du es nicht weißt –
Du spürst es:
Elend und Anderland
sind ein und dasselbe Wort.
Und Exil ist Umhergeirr,
im Aus.
Auch wenn Du es nicht weißt –
Du ahnst es doch:
Wer fremd ist,
ist einer von Fort-von
und nicht von Hin-zu
oder gar von Inmitten.
Du hast geglaubt:
Asyl, das sei
ein Unraub-Raum, wo
niemand Dir von Dir was nimmt.
Und jetzt denkst Du, dass
Flucht und Fluch Verwandte sind –
sie sind es nicht im Gegensatz zu uns
(was wir nur vergessen haben),
sind In- und Ausland doch dasselbe.
Impertinenz
steigt auf, wo
Macht und Trotz
die Leiter halten
schneidest dir
ins fremde Fleisch
die eigene Haut
zu retten
machst dir
so deinen Kopf
dem andern das Genick
zu brechen
du bist ein einig Leib
du bist ein einig Geist
und hast die Seele verkauft
und hast dein Herz verloren
Ist es nicht zu spät um aufzustehen?
Jetzt, wo wir so niedergeschlagen,
Dort, wo alles aufgemischt,
Wo öffentlich niedergelegt,
Dass wieder etwas auferstanden,
Was uns schon einmal niedergestreckt?
Aufgestört? Aufgewacht!
Bevor etwas niedergegangen,
Was nie mehr aufzurichten.
Ich widerlege mich krumm
und widersetze mich aufrecht
und widerstehe mir die Füße in den Bauch.
Ich widerrede mir den Mund fusselig
und widerspreche laut und deutlich.
Und doch kommt immer wieder alles wieder,
was mir zutiefst zuwider ist.
Wie kann ich nur
Kurzglückfragmente
schreiben, während
in dieser Republik
gerade wieder einmal
ein langes Unglück
heraufzieht, ungebrochen?
Recht ist gesprochen,
Gerechtigkeit gebrochen.
Aufklärung war versprochen,
doch wurde Unrecht nicht gerochen.
Rechts applaudiert, das Recht bleibt still.
Das ist nicht das Land, in dem ich leben will.
wir tragen Kippa
und fühlen uns bessa
wir glauben uns gut
nie trugen wir Stern
nie trügen wir Kopftuch
schon tragen wir wieder Kreuze
in öffentliche Gebäude
wir halten gut haus
mit unserer Solidarität:
Toleranz auf der
Kippe