Aus Magnolien
ein duftiger Pavillon:
morgen nur ein Baum.
Haiku
Winter-Haiku
Februarsonne
blinzelt durchs nackte Geäst:
eiswintermondbleich.
Trilogie: Minnesangs Ich-Reflexionen – da heime nicht
Ein Haiku von Meister Frauenlob
Ich suchte mich, da
vant ich min da heime nicht.
lip, wa was ich do?
Verse aus der dritten Strophe aus Lied 6 von Heinrich von Meißen, genannt Frauenlob (GA XIV,28), neu verfugt zu einem Haiku – ist das nicht ein verblüffend moderner Gedanke am Ende des 13. Jahrhunderts?
Worthilfen: vant = fand; min – wörtlich: meiner, d.h. etwas von mir; da heime = daheim; lip = Leib, Leben; wa = wo; was = war; do = da, damals
Hier meine Übersetzung, die Form wahrend:
Ich suchte mich, da
fand ich nichts von mir zuhaus.
Leib, wo war ich da?
Trilogie: Minnesangs Vögel – Schwan
ich tuon sam der swan,
der singet swenn’ er stirbet:
ein swinendes fro
Und weiter geht es mit “Minnesangs Vögeln”: Dieses Haiku verarbeitet das Bild vom Schwan, der immer dann singt, wenn er stirbt. Dieses Bild findet sich sowohl bei Heinrich von Morungen (MF 139,15-18; Venuslied) als auch bei Frauenlob (GA Lied 4, Strophe XIV,9). Der letzte Vers stammt von Frauenlob und bedeutet ‘ein dahinschwindendes Froh’.
Sonnenuntergang am See
Ein kleiner Dank an unsere Freunde aus València für zwei wunderschöne Sonnenuntergänge an der Albufera
Abends schlürft der See
die goldrote Sonne aus:
Rosa summt die Welt.
Mondaufgang am Meer
Schlafrot steigt der Mond
aus dem stillschwarzen Wasser:
Hell lacht die Welle.
Haiku im Vorübergehen
Die Rosen schlafen
noch unter Tannenzweigen:
Bald kommt ihre Zeit.
Das Ende des Weges
Das Ende des Weges ist
dort, wo du aufhörst
weiterzugehen.
(17 Silben, aber trotzdem kein Haiku)
Eine Haiku-Spielerei
haiku haiko hai
ki haike haika – haikau
haikeu haikai: hai