Mein Foto
zeigt mir
nur ein Bild von mir.
Mein Spiegel
zeigt mir
nur mein Spiegelbild.
Eines Tages werde
ich mir
ins Gesicht sehen
und mir
mein eigenes Bild
von mir machen.
Mein Foto
zeigt mir
nur ein Bild von mir.
Mein Spiegel
zeigt mir
nur mein Spiegelbild.
Eines Tages werde
ich mir
ins Gesicht sehen
und mir
mein eigenes Bild
von mir machen.
für Ahmad Schamlu, eine Art Antwort
Mit meinem Blau
male ich Sterne
in das Blaue vom Himmel.
Mit meinem Blau
schreibe ich ins Blaue.
Ein Meer von blauen Gedanken.
Die Farbe
der Tinte ist königsblau.
Das Blau war außer sich vor Freude
Als wir geboren wurden.
O Blau der Welt!
Der blaue Vogel deines Auges
sucht noch immer die Blaue Blume.
Ein blauer Augenblick ist nun mehr Seele.
O Blau der Welt!
Der blaue Vogel deines Auges
sucht noch immer das blaue Wunder.
Ein blauer Tag. Blaue Stunde:
Mein blaues Klavier
spielt mein Blaues Lied.
Mir ist in solchen linden blauen Tagen,
als ob wir
mit einem blauen Auge
plötzlich sehen
daß Jahre später
Heimat bedeutet
ein schimmerndes Blau.
Dieses Gedicht ist eine Collage aus Texten von
- Rose Ausländer, Verwandelt
- Heinrich Heine, Mit deinen blauen Augen
- Rolf Dieter Brinkmann, Von der Gegenständlichkeit eines Gedichts
- Elisabeth Borchers, Nerudas Blau
- Paul Celan, O Blau der Welt
- Yvan Goll, Der blaue Vogel deines Auges
- Novalis, Die blaue Blume
- Ernst Trakl, Kindheit
- Hilde Domin, Ein blauer Tag
- Stefan George, Blaue Stunde
- Else Lasker-Schüler, Mein blaues Klavier
- Joseph von Eichendorff, Was wollen mir vertraun die blauen Weiten
- Ahmad Schamlu, Blaues Lied
Bis auf Novalis und Ahmad Shamlu sind alle Gedichte zu finden in: Blaue Gedichte. Hrsg. von Gabriele Sander. Stuttgart 2001, 2012. (Reclams Universal-Bibliothek 18925). Novalis’ ‘Die blaue Blume’ ist Teil seines Romanfragmentes ‘Heinrich von Ofterdingen’. Ahmad Schamlus Gedicht ‘Blaues Lied’ findet man in dem gleichnamigen zweisprachigen Gedichtband, übersetzt von Farhad Showghi.
Krumm
Dein Rücken
von der Last Deiner Liebe
zu mir.
Grau
Dein Haar
aus unermüdlicher Sorge
um mich.
Schwer
Dein Schritt
durch das lange Gehen
mit mir.
Blind
Deine Augen
im steten Schauen
nach mir.
Alt
bist Du geworden,
mein Schatz,
bei mir,
mit mir,
durch mich,
und wohl auch meinetwegen.
Alt
aber wird nie
Deine Liebe zu mir.
Es gibt Leute,
die setzen sich einfach
an den gedeckten Tisch.
Es gibt Leute,
die legen sich einfach
ins gemachte Bett.
Warum nur
sitze ich immer
zwischen allen Stühlen?
Greif dir ein Wort
aus der Luft
und schreibe es
in den Wind.
Wasch dein Wort
mit allen Wassern
und baue dir daraus ein Lied
auf Sand.
Schnitze dir ein neues Wort
aus dem gleichen Holz
und schieße es
auf den Mond,
in den du schaust.
Hol dir ein letztes Wort
aus dem Feuer
und bringe es
unter die Erde
und lege es
der Welt in den Mund.
Was ist des Unschuldigen Schuld –
Wo beginnt sie?
Sie beginnt da,
Wo er gelassen, mit hängenden Armen
Schulterzuckend daneben steht,
Den Mantel zuknöpft, die Zigarette
Anzündet und spricht:
Da kann man nichts machen.
Seht, da beginnt des Unschuldigen Schuld.Gerty Spies
I
Des Unschuldigen Schuld
Beginnt dort, wo endet
Des Schuldigen Unschuld.
II
Schuldlos schuldig
Der Schuldige
Stirbt dort, wo lebt
Der Unschuldige
Schuldig schuldlos.
III
Des Unschuldigen Unschuld
Schuldet ihre Unschuld
Des Schuldigen Schuld.
Des Schuldigen Schuld
Schuldet ihre Schuld
Des Unschuldigen Unschuld.
IV
Des Unschuldigen Schuld
Entschuldigt nicht
Des Schuldigen Schuld.
Des Schuldigen Unschuld
Entschuldigt nicht
Des Unschuldigen Schuld.
Du schenkst mir Wärme,
auch dann,
wenn mir nicht kalt ist.
Du gibst mir Halt,
auch dort,
wo ich auf festem Boden stehe.
Du trägst mich,
auch dorthin,
wohin ich alleine gehen könnte.
Du fängst mich auf,
auch dann,
wenn ich nicht falle.
Du berührst mich,
auch dort,
wo niemand mich berühren darf.
Du stellst mich in Frage,
auch dann,
wenn ich die Antwort zu haben glaube.
Du bist da,
nicht nur,
wenn ich Dich brauche.
Die Ledermaus
geht gerne aus.
Der Raunbär
bittet sie zum Schwof,
der Warzbär
macht ihr schön den Hof.
Die Lindschleiche hat ein Aug auf sie,
der Lauwal zeigt Interesse nie.
Die Lange und die Liege
führen um sie Kriege.
Sogar der Neelöwe findet sie ganz nett
und hätte sie ganz gern bei sich im Bett.
Der Raureiher aber versucht sie einzulullen,
doch vergebens – sie steht nur auf Suchtbullen.
Und eine liebe Freundin von mir hat auch gleich weitergedichtet:
…doch kommt das Rokodil dazu,
ist’s mit der Liebe aus,
denn das nappt zu! :o)
Einen Reim auf die Leiche.
Jeder Vers eine Spur.
Des Dichters Fuß ist
sein Fingerabdruck.
Zwischen den Zeilen
jagt der Leser den Dichter.
Am Ende der Strophe
ein neuer Verdacht.
Ein Mord für das Wort.
Jede Silbe ein Schuss.
Des Dichters Blut ist
kein Indiz.
Hinter den Zeilen
jagt der Dichter den Leser.
Das Ende vom Lied
ein flüchtiger Sinn.
Eine neue Dimension von “Kripo”: Kriminalpoesie!
Jenseits von
Ja oder Nein
blinzelt
das Leben.
Jenseits von
Für oder Wider
lächelt
die Liebe.
Jenseits von
Schwarz oder Weiß
ist es
bunt.
morgens: tau
himmel: grau
wind: rau
wasser: lau
hotel: im bau
essen und trinken: mau
service: sau
nachts: radau
auf dem weg: stau
auf dem markt: hau und klau
stimmung: flau
schau: ein pfau
urlaub auf au: der super-gau
der wirt: schlau
der gast: blau
schuld: die frau
jau: genau!
au!
Bei Dir
suche ich
Frühlingsstaub
unter Herbstlaub.
Bei Dir
finde ich
Winterklee
im Sommerschnee.