Er sagte:
Ich habe
Gott gesucht
und habe
mich gefunden.
Wie schön für dich,
sage ich.
Ich habe
mich gesucht
und habe
niemanden gefunden.
Er sagte:
Ich habe
Gott gesucht
und habe
mich gefunden.
Wie schön für dich,
sage ich.
Ich habe
mich gesucht
und habe
niemanden gefunden.
Schön ist
eine Wanderung
von der Fußsohle
über das Rückgrat
bis hinauf zum Schulterblatt.
Die Fingerkuppe verspricht
eine gute Aussicht über
die Bauchdecke bis
hinunter zur Kniescheibe.
Schon lockt
die Armbeuge.
Vor den Lendenwirbeln
finden wir
Schutz in der Achselhöhle.
Bald klettern wir über
Haarwurzeln, sammeln
Ohrmuscheln im Brustkorb.
Im Mundwinkel
machen wir Picknick:
Du knabberst
an meinem Augapfel.
Das Gaumensegel
ist gespannt. Wir
breiten unsere Nasenflügel aus und
fliegen –
unzählbar
das leid,
das diese menschen
kaum zu erzählen vermögen:
die verfolgten,
die gefolterten,
die geflohenen
undenkbar
das leid,
das diese menschen
zu erdenken in der lage sind:
die verfolger,
die folterer,
die schlepper
untragbar
das leid,
das menschen menschen
zu ertragen zwingen:
die verfolger die verfolgten,
die folterer die gefolterten,
die schlepper die geflohenen
unfassbar
das leid,
das diese menschen
nie wirklich zu erfassen suchen:
unsere journalisten,
unsere obersten richter,
unsere regierenden
unsagbar
das leid,
das die menschlichkeit
zum versagen verdammt
Orientierungslos
treibt das Schiff
auf offenem Meer.
Die Segel zerschlissen.
Die Ruder verloren.
Ankerlos.
Rettungslos.
Rettungslos überfüllt
die wenigen Rettungsboote.
Zerstört die Rettungsringe.
Einen Rettungsanker gibt es nicht.
Mann über Bord.
Frau über Bord.
Kind über Bord.
Über Bord auch
unsere Menschlichkeit.
Kein Ende des Leidens.
Kein Ende des Sterbens.
Kein Ende des Mordens.
Kein Land in Sicht.
“Kein Land in Sicht” ist das Motto des diesjährigen “Open Ohr Festivals” in Mainz, das der Flüchtlingsproblematik gewidmet ist.
Der See
trinkt errötend
die untergehende Sonne.
Eine späte Libelle
tanzt glitzernd
im letzten Abendlicht.
Der See
schlägt Purzelbaum um Purzelbaum
ans Ufer.
Eine Ringelnatter
schlängelt sich ins Wasser.
Der See
weint dicke Tränen.
Der Frosch
hat bereits aufgehört
zu quaken.
Der See
nimmt genüsslich
sein erstes Sonnenbad.
Ein Stockentenpaar
gründelt im Schilf.
Der See
rauft sich sein
nass-silbriges Haar.
Selbst die Mücke
verstummt.
Zwischen dem
Land der Verzweiflung
und dem
Land der Hoffnung
liegt das
Meer des Todes.
Kein Land
lässt euch an Land.
Kein Land
nimmt euch auf.
Lassen wir sie doch
vom Meer aufnehmen,
denken die an Land.
Und so
hat das Meer
euch in sich aufgenommen,
euch in sich geborgen,
euch in sich begraben.
Und so
ist das unschuldige Meer
schuldig geworden,
indem es
die Schuld der Länder,
die Schuld derer an Land
in sich aufnimmt,
in sich verbirgt,
in sich begräbt.
Der See
träumt schon vom
schwindenden Sommer.
Die Graugänse
ziehen fort.