ja nein
komm geh fort
voll leer hier
sind viele wohl krank
waren bloß zugedeckt
fahren halt
schon noch
eben steil
bis alles ganz kaputt
das ist vielleicht sicher
doch bestimmt ungewiss
ja nein
komm geh fort
voll leer hier
sind viele wohl krank
waren bloß zugedeckt
fahren halt
schon noch
eben steil
bis alles ganz kaputt
das ist vielleicht sicher
doch bestimmt ungewiss
sich vorzunehmen
nachzugeben
und hinzunehmen
herzugeben
auch mal zuzugeben
aufzugeben
sich zurückzunehmen
um sich hinzugeben
sich mit sich abzugeben
um sich anzunehmen
zu nehmen und zu geben
zu geben und zu nehmen
Dies ist übrigens das 500. Gedicht, das ich auf diesem Blog veröffentliche – ich kann es selbst kaum glauben.
zwei menschen in verbundenheit – das sollt ihr sein: mensch für mensch.
tausend augenblicke voller glück seien euch gegönnt: in jedem augenblick.
sieben heiße sommerwochen seien euch gewährt: einen sommer lang.
zehn träume lasst endlich wirklichkeit werden: traum um traum.
Meine Freundin Bärbel hat mir aus Metz ein kleines Büchlein mitgebracht: “vive la poésie. cahier d’activité”, ein Büchlein, das zum Dichten anregen soll (“nicht, dass du das nötig hättest”, betonte sie, als sie es mir gab). Das Akrostichon mit Wörtern (nicht mit Buchstaben) hatte es mir dann doch gleich angetan: die perfekte Form für einen kleinen Neujahrsgruß.
für Aleppo und die vielen anderen Orte des Grauens
die gebliebenen
beneiden die geflohenen
die geflohenen wünschen
geblieben zu sein
die verwundeten
beneiden die toten
die toten wünschen
nie geboren zu sein
die neugeborenen
beneiden die ungeborenen
die ungeborenen wünschen
nie geboren zu werden
die lebenden
beneidet niemand mehr
die sterbenden wünschen
nur noch tot zu sein
auf frieden hofft
hier niemand mehr
Der Satz in den Nachrichten “Die Verwundeten beneiden die Toten” hat mich aus meiner Sprachlosigkeit geholt.
keine Einsicht ohne Aussicht
unter Aufsicht keine Zuversicht
keine Ansicht ohne Absicht
in der Vorsicht weder Nachsicht noch Rücksicht
ohne Umsicht keine Übersicht
bei Fernsicht nicht unbedingt Weitsicht
bei Nahsicht nicht unbedingt Scharfsicht
bei Klarsicht nicht unbedingt Hellsicht
nach Durchsicht nicht zwangsläufig Durchblick
wie viele Worte muss ich
in den Wörtern verlieren
wie viele Worte müssen
aus den Wörtern fallen
für das eine Wort?
Ein Querkopf
mit zwei linken Händen,
janusköpfig:
ein Dickkopf und
ein Kindskopf dazu.
Ein Blondschopf in Kindertagen,
blauäugig noch immer,
ein Dickwanst geworden,
schon immer ein Blaustrumpf und
eine Brillenschlange.
Den einen ein Freigeist,
den anderen ein Quälgeist,
durch und durch eine Nervensäge.
Doch leider auch
ein Hasenfuß.
Kein Großmaul, kein Schlitzohr,
kein Langfinger, doch auch kein Milchgesicht,
vielleicht ein Grünschnabel,
manchmal auch eine Lästerzunge,
ein Trotzkopf ja, ein Dummkopf? – nein.
Eine nicht ganz konsequente Spielerei mit dem Possessivkompositum…
aufgeklärt
alles geklärt
alles erklärt
nichts verklärt
alles klar sehen
alles klar denken
ganz klar im Kopf
abgeklärt
Unverrichteter Dinge vor
den letzten Dingen zu stehen,
ist, solange es mit rechten Dingen zugeht,
nicht jedermanns Ding.
Wer nicht über den Dingen steht
und nicht einfach der Dinge harrt, die da kommen,
der dreht noch rasch ein krummes Ding
und hofft dann, guter Dinge,
auf ein Ding der Unmöglichkeit, bevor ihm das Leben trotzdem
so ein Ding verpasst, dass er nur noch rufen kann:
“Das ist vielleicht ein Ding!”
Wenn wir sagen,
dass wir etwas
DINGFEST
machen, bedenken wir
dann eigentlich, dass es auch
flüssige Dinge
gibt? – Und
wenn wir sagen,
das wir jemanden
DINGFEST
machen, meinen wir
dann eigentlich
DINGHAFT?
Worte
springen mich an
wie Tiger
mit einem Satz
Solange noch
in meinem Kopf
die Wörter
mich umsummen,
bin ich ganz
bei mir.
Sobald jedoch
in meinem Kopf
die Wörter
beginnen zu
verstummen,
verlier ich mich
in mir,
kann nur noch
brummen,
von meinen Musen
verlassen.