auf dem abgeernteten Weizenfeld prangt inmitten der goldgelben Stoppeln
eine letzte volle Blüte roten Klatschmohns
Leben, Überleben
verschollen
manchmal
stell ich mir vor
wie es wohl wäre:
verschollen
zu sein
oder – schöner noch –
wie wohl es wäre:
zu verschellen
oder – am schönsten –
wie es wohl wäre:
Ton um Ton zu
verschallen
Das böse Kind
In den Augen meiner Eltern
bin ich stets das böse Kind, das
ihren Händen längst entglitten ist.
Sie haben kein Ohr für mein Glück.
Ihre Nase riecht in allem das Böse,
das ihnen ihr Kind entzogen hat.
Ihre Zunge kennt nur noch
Wut und Hass. Ihr Herz schreit
nach Liebe, doch ihre Füße treten
mich und machen aus mir
das, was ich in ihren Augen bin:
das böse Kind.
ein Palimpsest
tiefe Rillen
ritzt das Leben
in die Rinde meiner Haut:
ganz aufgerauht ist sie
vom vielen Bims
über alten Zeichen,
immer wieder neu
beschrieben, dabei zerrieben fast
zwischen meinen Jahresringen:
ein Palimpsest,
in dem ich lese
und dennoch keines der geheimen Zeichen
zu entziffern vermag
ins Grüne
ins Grüne hüpfen
ins Grüne schlüpfen
meine Augen schlürfen
tausend und ein Grün
ergrünt zu einem Grün
dem ein und allem Grün
dem Maienauenwaldgrün
nur Grün und Grün und Grün
so weit mir das Auge grünt
ins Grüne so weit
Kleiner Nachtrag:
Foto-Impressionen von meinem Ausflug ins Grüne
(Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue)
- Wie im Urwald…
- Blick auf den Altrhein
- Grün-Explosion
- Farbenspiel
- Filigrane Gewebe
- Ein Weg ins Grüne
- Sind wieder da: Maikäfer!
- Eine Schnecke (für Eulenschwinge)
Bitte an meine Eltern
Gießt immer wieder Öl ins Feuer
und seid überrascht,
dass es nun überall brennt.
Stecht mit der Nadel in den Luftballon
und seid enttäuscht,
wenn er platzt.
Hackt mir die Wurzeln ab
und seid verwundert,
dass ich nicht wachse und blühe.
Ich bin es leid,
Brände zu löschen,
Luftballons aufzublasen,
neue Wurzeln zu schlagen und
autotherapeutische Texte zu schreiben:
Hört einfach damit auf.
Bitte.
memento mori
spring, o Mensch,
deinen Ängsten von der Schippe
und leb
dem Tod ins Auge
und stirb
aus vollem Leben
Warteschleifen. Zweite Fassung
Die erste Fassung erschien Euch – zu Recht – etwas “spröde” und “steif”. Deshalb hier noch eine zweite Fassung.
gewartet schon viel zu oft
erwartet sehr viel mehr
aufgewartet doch gern
abgewartet stets
ein Leben lang dein Leben
verwartet
zerwartet
gewartet
worauf?
Augenblitze
Augenblitze schließen
dir für Augenblicke
die Augen
auf
augenblicklich blitzt
im Augenblitzlicht
Ein Sehen
auf
dein Augenlicht dein Augenstern
Warteschleifen
hast in deinem Leben schon recht viel gewartet
hast von deinem Leben doch mehr erwartet
hast stets den rechten Moment abgewartet
hast dein Leben ganz und gar verwartet
dein Leben lang gewartet
und vergessen
worauf
(14.3.2018)
im Kreis
ich drehe mich
im Kreis im Kreis
ich drehe mich
mit mir
um mich
im Kreis
ich kreise
mit mir
um mich
im Kreis
ich kreise kreise
aus mir in mich
ich kreise mich ein
ziehe meine
Kreise
im Kreis
im Kreis
bis ich ganz
außer mir
(12.3.2018)
in Sicherheit
ich lege mich
in meine Hand
dorthin, wo ich
mein Herz klopfen höre:
hier – so hoffe ich –
bin ich vor mir
in Sicherheit
(9.3.2018)







