für eine liebe Kollegin
früh für’s Leben entbrannt
immer für alles gebrannt
nichts und nie angebrannt
oft die Finger verbrannt
den Kopf bald abgebrannt
der Seele für immer eingebrannt
ausgebrannt
warum nicht
rechtzeitig durchgebrannt?
für eine liebe Kollegin
früh für’s Leben entbrannt
immer für alles gebrannt
nichts und nie angebrannt
oft die Finger verbrannt
den Kopf bald abgebrannt
der Seele für immer eingebrannt
ausgebrannt
warum nicht
rechtzeitig durchgebrannt?
Die Nacht wirft
ihren Schatten
in den Tag.
Der Tag wächst
in den Schatten
der Nacht,
Tag für Tag.
länger brauchen
kürzer atmen
schlechter hören
schlechter sehen
besser verstehen
schwerer gehen
leichter nehmen
mehr erinnern
weniger erwarten
viel vergessen
tiefer denken
tiefer fühlen
tiefer leiden
mit der Zeit geizen
das Leben verschwenden
die Seele verkaufen für ein Stückchen Liebe
Dem Leib, der Seele
zum Vermächtnis
schenkt der Schmerz
das Schmerzgedächtnis.
Ist der Schmerz auch lange tot,
leiden Leib und Seele doch
an seinem Erbe ihre Not.
Wer loslässt,
hat die Hände frei,
heißt es.
Doch was hilft’s
im freien Fall?
zuerst nur
das Nackenstützkissen
und ein paar Kopfwehtabletten
dann noch
das Heizkissen
und ausreichend Schmerzmittel
schließlich noch
die Gesundheitsschuhe
und diverse Salben
jetzt also auch noch
die Kompressionsstrümpfe
und die Thrombosespritzen
ich bin wohl angekommen
im Club der alten Damen
Anfangs hast du dir dein Leben noch oft versüßt.
Später ließest du dich regelmäßig versauern
und hast dir dein Leben gründlich versalzen.
Was die Sache dann noch verschärft:
Jetzt bist du ganz verbittert.
Plötzlich
sage ich unvermittelt:
Frühling –
obgleich es Sommer ist und ich
gar nicht über
Jahreszeiten sprechen will.
Ist das
– im Herbst meines Lebens –
der Anfang vom
Winter?
Aus allen Wolken gefallen
stehe ich im Regen
mit einem Hagel von Fragen.
Solange ich im Nebel tappe,
sehe ich keine Sonne.
Ich bin völlig durch den Wind
und suche den Schnee von gestern.
Du bist
durchs Feuer gegangen
und dennoch ist dein Leben
ins Wasser gefallen.
Jetzt hängst du
in der Luft
und bekommst keinen Fuß mehr
auf die Erde.
Seit ich lebe,
lebe ich
das Leben der anderen.
Seit ich lebe,
wünsche ich mir
ein anderes Leben.
Seit ich lebe,
möchte ich gern
ganz anders leben.
Seit ich lebe,
will ich
leben, nichts anderes.
Es gibt Tage,
da empfindest du
einen bloßen Handschlag oder
einen etwas festeren Händedruck oder auch
ein ausgiebiges Händeschütteln
bereits als körperliche Gewalt.
Es gibt Tage,
da deutest du
jedes Handzeichen
als persönliche Beleidigung.
Jeder Handgriff
wird zur Handgreiflichkeit.
An diesen Tagen
bist du einfach
zu empfindlich gegenüber
dem allzu Handfesten,
dem allzu Handlichen,
dem allzu Handhabbaren.
Da würdest du am liebsten
im Handumdrehen
verschwinden oder
mit einem Handstreich
alles verschwinden lassen.
An diesen Tagen bist du
keine Handbreit bereit
zu handeln.
An Tagen wie diesen bist du
handlungsunfähig –
und verabschiedest dich deshalb
– scheinbar ganz handzahm –
mit einem Handkuss
von jeglicher Handarbeit.