die Sonne brennt nicht mehr so heiß,
und ihre Schatten werden länger.
die Winde frischen auf zu ersten Stürmen,
und auf den Morgen legt sich früher Nebel.
die Tage werden merklich kürzer,
und in den Nächten kühlt es deutlich ab.
die ersten Vögel ziehn gen Süden –
doch vor allem: auch die Engel fliegen tiefer.
Gedankenspiele: Unsortiertes
Modi des Sterbens
klar, niemand will sterben.
und, ja, niemand soll sterben.
aber natürlich können wir sterben.
und am Ende müssen wir alle sterben.
warum aber sollten wir nicht auch sterben
dürfen?
Sackgasse
rechts abbiegen, um
Krisen und Probleme
links liegen zu lassen –
ein Weg, der geradewegs
in eine Sackgasse führt:
wo niemand mehr weiß, wo
rechts und links ist
eine Frage an Einstein
wie lang ist das Leben,
wenn wir es beginnen!
wie kurz ist das Leben,
wenn wir an seinem Ende stehn!
wie aber ist das Leben bemessen,
während wir gerade dabei sind zu leben?
mit würde
würde ich mich
meiner würde
würdig zeigen,
würde ich noch heute
die würde des menschen
– weder würdevoll noch würdelos –
in den würdegriff nehmen:
werde was würde
Faltungen, lyrisch
inspiriert von Jürgen Küsters Faltungen-Projekt auf Buchalovs Blog
ich schreib mir eine Fal
te ins Gedicht
und falz mir keine einfäl
lt, schreib ich mir glatt die Sorgfalt
aus dem Gesicht und falte sie auf
eine Spalte Papier
#ich zeige Faltung!
und schreib mir eine Fal
te ins Gedicht
zwiefältig, vielfaltig
fall mein Vers auf
kalten Asphalt
Echo
nachts
suche ich Wörter, die
das heimliche Lächeln
der stillen Dinge ent-
decken
morgens
finde ich Dinge, die
auf den stummen Gruß
der Wörter leise ant-
worten
Mai
so lass ich meine Wörter
tanzen in den Mai tanzen
lass ich die Wörter im Mai
tanzen meine Wörter und
ich den Mai über sehe ich
die Wörter tanzen und mich –
dem Sommer entgegen
April, April
eben noch Sonne, da graupeln
sie schon wild und voller Übermut
durch die hellblaue Frühlingsluft:
Aprilschneefetzen
und eh du dich’s versiehst, schüttet
sich schon wieder die Sonne aus
vor Lachen
Dialektik der Ausgangssperre
normalerweise
will ich nicht und
muss ich nicht
vor’s Haus
nach 21 Uhr
kaum aber
darf ich nicht und
kann ich nicht
vor’s Haus
nach 21 Uhr
dann
will ich unbedingt und
muss ich unbedingt
vor’s Haus
nach 21 Uhr
und die Vernunft
darf dann und
kann dann ebenfalls
vor’s Haus –
rund um die Uhr
Earth Hour 2021
eine Stunde für die Erde:
Licht aus!
lasst die Dunkelheit atmen:
es ist ihre Zeit – und gebt
der Erde für einen Atemzug
Ruhe
Ich weiß, es ist nur Symbolpolitik und hilft letztlich nicht. Aber es kann vielleicht ein Zeichen sein, ein Nicht-Licht-Zeichen.
Grüngürtelglück
was bleibt uns in diesen Tagen, als
die immer gleichen Wege zu gehen?
doch sind es ihrer so viele – zum Glück!
und gehst du dann mal dieses Stück,
mal jenes, in immer neuem Wechsel –
so öffnet sich für dich bei jedem Gang
auf immer gleichen Wegen
ein neuer Weg