das welkende Laub der Bäume
leuchtete, heute auf der Fahrt,
in Gelb, Orange, Braun und Rot –
so intensiv, dass ich mich fragte:
ist das wirklich Herbst oder
fahre ich durch ein Bild
von David Hockney?
Autor: Lyrifant
Letzte Worte
Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich
aufs Kreuz gelegt?
wo seid ihr, Wörter?
wo seid ihr, Wörter?
ich vermute, ihr haltet euch
auf Abstand und bleibt lieber
zu Hause. Schluss mit Party.
ihr fehlt mir, Wörter!
denn was mache ich, ich arme
Poetin, wenn ich nicht mehr
von euch infiziert werde?
Zwischenbilanz
viel gewollt
wenig gemacht
viel begonnen
wenig zu Ende gebracht
viel erst gar nicht gewagt
nur wenige Feuer entfacht
viel (zu viel) nur gedacht
oft (zu oft) nachtsüber gewacht
viel zu wenig gelacht:
hab’s wohl verkracht
Dies Liedlein kommt nicht an mein “Lied vom Scheitern” heran, ich weiß 🙁
woran wir uns erinnern
wir erinnern uns
an das, was wir erlebt haben
(nicht immer mehr an alles)
wir erinnern uns
an das, was man uns erzählt hat
an das, was wir uns erzählt haben
(nicht immer mehr an alles)
wir erinnern uns
an das, was wir gedacht haben
(nicht immer mehr an alles)
wir erinnern uns
an das, was wir gedacht haben, erlebt zu haben
wir erinnern uns
an das, was wir gedacht haben, erzählt bekommen zu haben
an das, was wir gedacht haben, uns erzählt zu haben
wir erinnern uns
an das, was wir denken, gedacht zu haben
wir erinnern uns
an das, was man uns (immer wieder) davon erzählt hat, was wir erlebt haben
und wir erinnern uns daran als das, woran wir uns erinnern, es erlebt zu haben
wir erinnern uns
an das, was wir uns (immer wieder) davon erzählt haben, was wir erlebt haben
und wir erinnern uns daran als das, woran wir uns erinnern, es erlebt zu haben
wir erinnern uns
wir erinnern uns
an das, woran wir uns erinnern, es erinnert zu haben
und wir erinnern uns
an das, woran wir uns erinnern, es erinnert zu haben als das, woran wir uns erinnern
ein Wort
wie viel mehr als ein Wort
ist ein Wort?
wie viel mehr als ein Wort
ist ein Wort!
am meisten aber ist ein Wort doch,
wenn es ein Wort ist
inspiriert von Gerdas Legearbeiten mit meinen Schnipseln
unter anderem
unter anderem
ist es mir ein Bedürfnis,
euch – unter anderem –
mitzuteilen, was ich euch schon lange
unter anderem sagen wollte:
was mich nämlich unter anderem
echt nervt, ist, dass – unter anderem –
dies oder jenes geschieht oder
eben nicht geschieht
Momentaufnahmen
frag mich nicht nach dem
Gedicht von gestern, wenn
es schon ein Gedicht von
heute gibt, und frag mein
Gedicht von morgen nicht
nach meinem Gedicht von
heute
Momentaufnahmen
sind meine Gedichte, gültig
nur für das Jetzt, mit einer
Maximalhaltbarkeit für den
Augenblick
Krebsgang des Irdischen
vom Hochsitz der Regierung
ist der Kopfstand der Dinge
im steten Wettlauf der Welt
kaum zu erkennen
dichten. mit vollem Körpereinsatz
ich spitze meine Zehen, winkel Aug
& Mund, wurzel meine Nase
& schlag meine Li(e)der
in den Wind
hoffentlich brech ich mir dabei
nie die Zunge
nur geliehen
nur geliehen
hab ich alle meine Wörter:
kein einziges Wort
mein eigenes Wort –
ach! könnt ich eines nur
entwenden! eins nur
von Grund auf neu
erfinden! was aber
hilft’s, wenn ich mit mir
Wörter stehlen kann?
Niemandswörter sind sie doch –
und wie ich’s auch dreh und wende:
am Ende
bleibt mir nichts als dass ich
alle meine Wörter sende
wohin auch immer
zurück
Moria
alles gewagt
alles zurückgelassen
alles gegeben
alles ertragen
und doch:
alles verloren
wer hat noch die Kraft:
noch einmal alles wagen?
noch einmal alles zurücklassen?
noch einmal alles geben?
noch einmal alles ertragen?
und vielleicht noch einmal:
alles verlieren?