Des Kürenbergers Falkenlied

„in Lyrifants wîse“ (wie es Davina nennen würde)

hab ‘nen Falken aufgezogen:
erst gehegt, dann gepflegt,
sehr verwöhnt, sehr verschönt –
trotzdem ist er mir entflogen

hab ihn später fliegen sehen:
sehr gehegt, sehr gepflegt,
mehr verwöhnt, mehr verschönt –
ach, mögen Liebende zusammen gehen!

Eher eine freie Nachdichtung denn eine Übersetzung, lautet der mittelhochdeutsche Text dann doch ein wenig anders:

Ich zôch mir einen valken mêre danne ein jâr.
dô ich in gezamete, als ich in wolte hân,
und ich im sîn gevidere mit golde wol bewant,
er huop sich ûf vil hôhe und vlouc in ándèriu lant.

Sît sach ich den valken schône vliegen,
er vuorte an sînem vuoze sîdîne riemen,
und was im sîn gevidere alrôt guldîn.
got sende sî zesamene, die gelíeb wéllen gerne sîn!

Lyrifants Falkenlied

der Falke ist entflogen.
allein ich steh hier an der Zinne.
niemanden hör ich singen
von Falken noch von Zinnen.

der Falke ist entflogen.
allein ich steh hier an der Zinne.
so sing ich vor mich hin
von Falken und von Zinnen.

den Falken seh ich fliegen
einsam von meiner Zinne aus.
wer wird einst noch singen
von Falken und von Zinnen?

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wer? was? was? wer?

wer was hat, ist wer?
wer wer ist, hat was?

wer was ist, sagt wer? sagt was?
wer wer ist, sagt was? sagt wer?
wer was hat, sagt wer? sagt was?
was wer hat, sagt was? sagt wer?
was was ist, sagt wer? sagt was?
was wer ist, sagt was? sagt wer?

wer was ist, hat was?
was wer hat, ist was?

wer ist wer?
was ist was?

wer? was?
was? wer?

wie jetzt?

polyphone gedichte (schlicht extemporiert)

(1)
mono ton nie
klang farben reich
takt los
halb ton, halb licht
inter mezzo con spirito
pan tonal total
chrom a tisch
polyp honig süß

(2)
meer als geräusch, meer als gerausch:
meerstimmig, meersinnig –
ein rausch

(3)
poesie im akkord: ein thema, zwei saiten
lyrik im kanon, gegen den kammerton:
ah! ein fliehendes wort auf der stimmgabel –
horch, wie es den vers
durchtönt!

(da capo al fine)