Liebe in ihren Elementen

FeuerFeuer gefangen
ins kalte Wasser gesprungen
die Luft angehalten
keinen Fuß mehr auf die Erde bekommen

WasserFeuer und Flamme
Wasser und Wein
Luft und Liebe
Himmel und Erde

Luftdurchs Feuer gegangen
mit allen Wassern gewaschen
aus der Luft gegriffen
auf der Erde geblieben

ErdeFeuer=Werk
Wasser=Fall
Luft=Sprung
Erd=Beben

Bilder: Lyrifant, Acryl auf Leinwand, 10 x 10 cm

Farbpoesie

Ich schreibe
mit SCHWARZer Tinte
auf WEISSes Papier.

Ich schreibe mich
auf den GRÜNen Zweig und
an den ROTen Faden.

Ich schreibe mir
das BLAUe vom Himmel und
das GELBe vom Ei.

Ich schreibe mir
die GRAUe Theorie
in BUNTe Verse um.

Ich schreibe mich
in Farbe.

Schwierige Nähe

Warum darf ich nicht
sprechen über das, was
Dir nahe geht?

Denkst Du,
mir geht es nicht
genauso nahe wie Dir?

Warum willst Du nicht,
dass ich Dir nahe bin in dem, was
Dir nahe ist?

Fürchtest Du,
ich trete Dir zu nahe,
wenn ich Dir nahe sein will
auch in dem, was nur
Dir nahe ist?

Wäre ich Dir näher,
wenn ich Dich allein ließe

mit dem, was
Dir nahe geht,

mit dem, was
Dir nahe ist?

Aber dabei in der Nähe bleibe?

Die Gaben des Dichters

Dem Zorn eine Stimme.
Dem Leid ein Gesicht.

Der Angst den Rücken.
Dem Schmerz eine Schulter.

Dem Unrecht die Stirn.
Dem Frieden die Hand.

Auf die Liebe ein Auge.
Der Menschheit ein Ohr.

Der Welt in den Hintern.
Die Kunst vom Kopf auf die Füße.

Und nicht zuletzt:
Der Suppe ein Haar.

Körpergewissen

Sie kommen und suchen bei uns
gesenkten Hauptes Asyl.
Wir empfangen sie
am ausgestreckten Arm
und heißen sie
bei lebendigem Leib willkommen.
Wir weisen sie
alle Hände voll zurück,
sehenden Auges,
und sie kehren um,
mit offenem Mund und
den Rücken zur Wand,
sie gehen
stehenden Fußes, aber
aufrechten Ganges.

Mögen sie bald wiederkehren
und uns – diesmal
erhobenen Hauptes und
die Nase gestrichen voll –
unsere Schuld
unter die Haut schreiben,
bis über beide Ohren.
Und mögen uns ihre Schreie
mit Händen und Füßen heimsuchen
am ganzen Körper.

Lampedusa

nach Paul Celan

Schwarzes Meer der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens wir trinken dich zwischen Nacht und Tag
wir trinken und sinken
wir sinken und trinken
wir schöpfen ein Grab aus den Wassern
Sie hören die Möven uns hören sie nicht sie rufen
sie rufen “Zurück” sie zählen
die dicken Fische
hinter den dicken Mauern aus Wasser
hinter den engen Wachen aus Stein
Nass ist
dein aschenes Haar du Mensch auf der Flucht
Tief sinkt
dein bleierner Leib der Tod ist ein Meister aus
Europa