eine Frage der Haltung. Bestiarium des Widerstands

Haltung ist in diesen Zeiten angesagt, doch welche?
mach ich den Vogel Strauß
und steck einfach den Kopf in den Sand?
oder nehm ich mir den Igel zum Vorbild
und roll mich zu einer stacheligen Kugel?
oder halt ich es mit dem Stier
und stell mich, hufescharrend, dem Kampf?
oder orientier ich mich am Reh
und ergreif lieber gleich die Flucht?
oder nehm ich mir am Hasen ein Beispiel
und sorg für Verwirrung, indem ich Haken schlag?
oder mach ich es wie das Chamäleon
und wechsel zur Tarnung meine Farbe?
oder verhalt ich mich wie das Opposum
und stell mich einfach tot?
oder richt ich mich nach der Kobra
und verspritz überall mein übelriechendes Gift?
hm, ich kann mich einfach nicht entscheiden …
und dann hätte ich ja auch noch diese Option:
versuchen, Mensch zu bleiben

Oh, wie weit ist dieses Bestiarium entfernt von Lyrifants idyllischem “Sommer-Bestiarium” aus dem letzten Sommer, das ich gerade in diesen Tagen – endlich! – zu einem Büchlein verarbeitet habe.

8 Gedanken zu „eine Frage der Haltung. Bestiarium des Widerstands

  1. Mensch zu sein beinhaltet alle anderen Tierformen. Also bleibt einem die Wahl nicht erspart. Das nennt man die menschliche Freiheit.

    Ich mache grad den einen der drei Affen : Ich höre und sehe, halte aber den Mund.

  2. wohl die beste (und einzige?) option, mensch zu bleiben? 😉 launig zu lesen, aber die ernsthaftigkeit ist natürlich nicht von der hand zu weisen. toll geworden, sehr schön, dein büchlein! lg, diana

    • Nicht die leichteste Option, denn was heißt es, Mensch zu bleiben? Und schon ist man wieder beim Tierreigen … auweia, nicht leicht! (deshalb haben wir wohl diese riesengroße Sehnsucht nach Leichtigkeit!)

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