der Wortbildhauer

Hommage an Constantin Brâncuși

stell ihn dir vor: den idealen Wortbildhauer.
sein Material, ganz schlicht: das WORT.
sein hehres Ziel: die Form. das Wesentliche.
er stellt sich vor: er setzt den Meißel an und
haut was weg. auf diese Weise fände er:
den ORT im Wort. doch das genügt ihm nicht.
er setzt den Meißel anders an und haut
noch viel mehr weg und übrig bleibt: ein WO.
das kommt dem näher, was er sucht.
doch ist auch das für ihn noch nicht genug.
weshalb er meißelt, schleift, poliert
sein Wort herunter bis zum O.
jetzt erst ist er froh.

5 thoughts on “der Wortbildhauer

  1. Wie seltsam: Brancusi habe ich immer mit Gussformen, Lappen und Polierpaste assoziiert, nie hauend von fliegenden Trümmern umgeben. Du gibst mir ein völlig neues Bild von ihm.

    • Nun, es beschreibt die Arbeit des Wortbildhauers … aber tatsächlich gibt es auch von Brancusi Skulpturen, die er aus dem ganzen Stein herausgehauen hat.
      Brancusi gehört zu meinen Jugendlieben (umso mehr habe ich mich gefreut, dass ihm die Neue Nationalgalerie in Berlin eine Ausstellung gewidmet hat, die ich inzwischen mehrfach besucht habe!). Sein Wille und seine Fähigkeit zur Reduktion hat mich schon zu Schulzeiten ungeheuer beeindruckt (ich durfte ihn im Kunstunterricht kennen lernen). Und ich vermute, dass meine Suche danach, welches Minimum an Wörtern notwendig ist für ein Maximum an Sinn, letztlich auf meine Begegnung mit Brancusi zurückgeht.

      • Seine Reduktion auf das Wesentliche bewundere ich auch seit Jahrzehnten. Und ich liebe die weichen, eleganten Schwünge der Formen, die ich immer gerne bestreicheln möchte, was ich aber in Ausstellungen nie darf.

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