Aug in Aug mit dem Entenauge:
unser beider Augen vollgeschrieben
von Himmel und Wasser nur
Gedicht
Havelland (7)
aus Sand, Schilf, Wald und Wolken
schlürft der See Poesie und schmatzt
seine glucksenden Verse
ans quakende Ufer
Havelland (6)
so sitze ich am Ufer, lege
das Buch beiseite und
lese weiter im
Wasser
Havelland (5)
und abends übersetze ich
die blinkenden Morsezeichen, die
ich tagsüber auf dem Wasser
aufgelesen habe, in
Sonnengedichte
Havelland (4)
jeder See ist
Erinnerung an den einen,
meinen, den See meiner Kindheit, ist
ein Versprechen aller Seen – und ist doch
genau dieser eine
See
Havelland (3)
in großen Bögen schreibt sich
der Fluss in die Landschaft
ein: Naturpoesie in
Schönschrift
Havelland (2)
dort, wo der Wind in weichen
Wellen seine luftig-leichten
Gedichte auf den See schreibt,
dort will ich dichten lernen
Havelland (1)
die Luft
über dem Wasser
riecht nach dunkler Erde
ich fange Feuer
Im Mai 2018 habe ich aus diesem Zyklus ein kleines Büchlein gemacht, das man hier anschauen kann.
Prinzessin auf der Worterbse
unter den vielen Worthülsen finde ich
nicht die Wortbohne, stakse umher
wie der Storch im Wortsalat, der
seine Wortlinse verloren hat
Spätsommernächtens
Spätsommernächtens
mit Dir noch auf dem Balkon:
Urlaubsgefühle.
Spätsommermorgen
Spätsommermorgen:
Sattes Gelb und klare Luft
künden den Frühherbst.
verstehen wollen
verstehen wollen
was nicht zu verstehen ist
weil es nicht verstehbar sein soll:
wem das verstehen können
versagt bleibt, dem bleibt
nur unverständnis und wo
kein verständnis mehr ist
dort ist bald auch
kein verstand mehr
der dir raten kann
niemals damit aufzuhören
verstehen zu wollen
was nicht zu verstehen ist
weil es nicht verstehbar sein soll