Ich entspreche nicht
Eurem Bild.
Habt Ihr Euch je gefragt,
ob Euer Bild
mir entspricht?
Ich entspreche nicht
Eurem Bild.
Habt Ihr Euch je gefragt,
ob Euer Bild
mir entspricht?
Es ist so
LAUT
in mir.
Ich kann
mich
nicht hören.
Liebes Ich,
bring mich zur Ruhe,
damit es wieder
STILL
werde in mir
für Deinen Ruf.
Es ist so
DUNKEL
in mir.
Ich kann
mich
nicht sehen.
Liebes Ich,
leuchte mir den Weg,
damit es wieder
HELL
werde in mir
für Deinen Anblick.
Es ist so
VOLL
in mir.
Ich kann
mich
nicht fühlen.
Liebes Ich,
räum mit mir den Schutt beiseite
damit es wieder
LEER
werde in mir
für Deine Nähe.
Nur Mut!
Lass zurück die Schwermut!
Übe dich in Gleichmut und in Langmut,
aber mach auch deinem Unmut Luft!
Vergiss dabei niemals die Anmut!
Sei hochmütig, wenn man dich erniedrigt,
sei demütig, wenn man dich erhebt.
Sei übermütig, wenn es um das Leben geht.
Habe Mut,
dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Nur Wankelmut sei deine Sache nicht,
doch sei einmütig mit dir.
Nur Mut!
Mut ist zumutbar,
in fast jeder Form,
mutmaße ich.
Nichts wird mehr so,
wie es war.
Du kannst weinen und klagen.
Du kannst schreien und um dich schlagen.
Du kannst mit dem Fuß aufstampfen und Nein sagen.
Du kannst träumen und dir die Zeit zurückwünschen.
Du kannst auch stehen bleiben und den Kopf in den Sand stecken.
Aber das wird nichts daran ändern:
Nichts wird mehr so,
wie es war.
Du solltest es einfach akzeptieren.
Einfach?
Nein, einfach ist es nicht,
aber es dürfte einfach das Vernünftigste sein.
Sich das Leben nehmen,
um es sich zurück zu geben,
um es ganz fest zu halten,
es mit Händen und Füßen zu ergreifen,
damit es wieder Hand und Fuß bekommt.
Sich umbringen,
sich um das Leben bringen,
sich um das Leben herum bringen
zum Wesentlichen,
sich mit Aug und Ohr um das Leben bringen,
um es neu zu sehen und zu hören.
Hand an sich legen,
um sich selbst in die Hand zu nehmen,
endlich an die Hand zu nehmen,
sich in die eigenen Hände zu legen.
Sich selbst töten,
damit das Selbst leben kann.
Pack die Schnecke bei den Hörnern
und den Stier bei den hängenden Ohren.
Blick dem Traum ins Auge
und der Realität ins gähnende Maul.
Pack das Pech beim Schopf
und das Glück an seinem wedelnden Schwanz.
Zieh dem Tod die Hammelbeine
und dem Leben die durchsichtigen Elfenflügel lang.
Steh mit beiden Beinen im Mist
und mit allen Sinnen im Leben.
Liebe geht durch den Magen,
der Darm muss sie erst einmal verdauen.
Sie setzt uns Schmetterlinge in den Bauch,
verschlägt uns den Atem.
Sie geht an die Nieren,
läuft über die Leber,
speit Blut und Galle,
wenn es sein muss.
Sie macht blind,
vernebelt das Gehirn,
trifft mitten ins Herz.
Nur mit der Milz hat sie nichts am Hut.
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?J. W. Goethe
„Mein Kind, was wendest du ab von uns dein Gesicht?“ –
„Siehst, Vater, du meine offenen Arme nicht?“
„Mein Kind, was versäumst du deine von uns geforderte Pflicht?“ –
„Siehst, Vater, du meine euch zugeneigten Ohren nicht?“
„Mein Kind, was glaubst du, wie man mit seinen Eltern spricht?“ –
„Siehst, Vater, du meinen zärtlich lächelnden Mund nicht?“
„Mein Kind, was sitzt du so frech über uns zu Gericht?“ –
„Siehst, Vater, du den Ring, der mein Herz umschließt, nicht?“
„Mein Kind, was reckst du so keck deinen Hals ins Licht?“ –
Siehst, Vater, du mein gebrochenes Rückgrat nicht?
„Mein Kind, was suchst du den Mann, der das Herz dir nur bricht?“ –
„Siehst, Vater, du meine vor Liebesglück strahlenden Augen nicht?“
Dem Kinde graust’s, es reitet geschwind,
durch seine Seele bläst eisiger Wind.
Es findet das Tor mit Mühe und Not,
in seinem Herzen das Kind war tot.
Der Erlkönig sieht’s, dreht um und spricht:
„Meiner bedarf es hier nicht.“
Mit Dir
am Berberitzensee
auf dem Feigenteppich
im Bockshornklee –
über uns
der Dattelhimmel,
an dem die Walnusssonne
hinter Mispelwolken
mit Safransaum hervorlugt –
warten wir in Quittenwonne
auf den Pistazienregen
zu vollenden
unseren Granatapfeltraum.
viel vor
wenig drauf
lange dran
nichts dabei raus
viel vor
wenig drin
manchmal nah dran
meist drunter und drüber
immer hinterher
viel vor
wenig dahinter
voll daneben
sofort draußen
keiner dafür, alle dagegen
nie vorn dabei
nie richtig dazu
am liebsten auf und davon
zu früh
zu spät
zu jung
zu alt
zu gut
zu schlecht
zu groß
zu klein
zu viel
zu wenig
zu schwer
zu leicht
zu stark
zu schwach
zu hoch
zu tief
zu lang
zu kurz
einfach immer falsch!
Was ist das für ein Land,
in dem man das Leben
– gegen Gebühr –
hält wie ein Tier?
Oder in dem
die Haltung gegenüber dem Leben
etwas kostet?