Wo Herkunft
zu tauber Erinnerung wird.
Wo Ankunft
ein stummer Wunsch bleibt.
Wo Zukunft
ein blindes Versprechen war.
Dort ist Exil.
Wo Herkunft
zu tauber Erinnerung wird.
Wo Ankunft
ein stummer Wunsch bleibt.
Wo Zukunft
ein blindes Versprechen war.
Dort ist Exil.
Mit fremden Augen
kannst du in dir
die Bilder sehen,
die die eigene Hand
nicht wagt zu malen.
Mit fremden Ohren
kannst du in dir
die Worte hören,
die der eigene Mund
nicht wagt zu sagen.
Mit fremden Sinnen
kannst du in dir
die Liebe erfahren
die das eigene Herz
nicht wagt zu fühlen.
Um nicht verrückt zu werden:
Gib dir einen Ruck und
verrück dich selbst,
rück ein Stück und
verrück dich Stück um Stück und
entrück dich so
dem alltäglichen Wahnsinn.
Wie
kann ich
Dich hören,
wenn mich
Dein Wort
betäubt?
Wie
kann ich
Dich sehen,
wenn mich
Dein Anblick
blendet?
Wie
kann ich
Dich fühlen,
riechen, schmecken,
wenn mir
Deine Gegenwart
die Sinne raubt?
Bitte
töte nicht
in Deinem tiefen Schmerz
die,
die Dich liebt.
Deine Schwester hat Kummer.
Und Sorgen. Dort.
Du bist hier.
Dein Bruder ist im Gefängnis,
Deinetwegen. Dort.
Du bist hier.
Deine Mutter ist krank.
Hat Schmerzen. Dort.
Du bist hier.
Dein Vater liegt im Sterben,
vielleicht. Dort.
Du bist hier.
Exil ist Schmerz.
Der Schmerz ist
dort und hier.
Wir sind
mit unserem Latein
am Ende.
Dann lasst es uns doch
mit unserem Griechisch
versuchen.
Doch wo die Tyrannei der Banken
die Wiege der Demokratie
beherrscht,
kommen wir
mit unserem Griechisch
auch nicht sehr weit.
Dann lasst es uns doch
mit unserem Hebräisch
versuchen.
Doch wo das gelobte Land
den Fluch des Krieges
verbreitet,
reicht unser Hebräisch
noch nicht einmal für
einen neuen Anfang.
Ein “Dich” für mich,
ein “mich” für Dich,
und für jeden von uns
eine Seite vom
“und”.
Und wenn wir uns trennten?
Ein “mich” für mich,
ein “Dich” für Dich,
aber wohin mit dem
“und”?
Wenn
der Pechvogel
den Glückspilz
verschlingt,
dann
ist das Pech
für den Glückspilz,
aber Glück
für den Pechvogel.
Wenn aber
der Pechvogel,
der nun ein Glücksvogel ist,
am Glückspilz,
der nun ein Pechpilz ist,
zu ersticken droht
und deshalb den Pilz wieder ausspeit,
dann
ist das Glück
für den Glückspilz,
aber Pech
für den Pechvogel,
dann ist das eben
echtes Pechvogelpech
und echtes Glückspilzglück.
Wenn dann
der gerettete Glückspilz
dem enttäuschten Pechvogel
vorschlägt,
die Rollen zu tauschen,
dann wird
aus dem Pechvogel
ein Glückspilz
und aus dem Glückspilz
ein Pechvogel.
Und wenn nun
der Pechvogel
(der zuvor ein Glückspilz war)
den Glückspilz
(der zuvor ein Pechvogel war)
verschlingt
dann
ist das Pech
für den Glückspilz (alias Pechvogel),
aber Glück
für den Pechvogel (alias Glückspilz).
Wenn aber dann nun
der Pechvogel
(ehemals Glückspilz
und nunmehr Glücksvogel)
am Glückspilz
(ehemals Pechvogel
und nunmehr Pechpilz)
zu ersticken droht
und deshalb den Pilz
wieder ausspeit,
dann
ist das Glück
für den Pechvogel,
der als Glückspilz
zum Pechpilz wurde,
aber Pech
für den Glückspilz,
der als Pechvogel
zum Glücksvogel wurde,
dann
ist das eben Pechvogelglück
und Glückspilzpech.
Wenn aber
der Pechvogel
mal Pech, mal Glück hat
und der Glückspilz
mal Glück, mal Pech hat,
was sind dann
Pechvogel und Glückspilz mehr
als ein Vogel, der
mal Pech, mal Glück hat,
und ein Pilz, der
mal Glück, mal Pech hat?
Wort zu Wort
lege ich
mich zu Dir.
Wort an Wort
schmiege ich
mich an Dich.
Wort um Wort
gebe ich
mich um Dich.
Wort für Wort
erfinde ich
Dich für mich,
erfinde ich
mich für Dich.
Wort auf Wort
baue ich
Dich auf mich
mich auf Dich,
baue ich
uns.
Schau
auf einen Augenblick
tief in mich hinein.
Lausch
auf einen Ohrenspitz
dem Klopfen meines Herzens.
Schnupper
mit kurzem Nasenrümpf
den Duft meiner Haut.
Koste
um einen Zungenschmeck
meine Seele in meinem Körper.
Fühl
nur für einen Hautspür
den Puls meiner Liebe.
Behände
strecke ich
meine Hände
aus,
mein Herz
greift beherzt
zu,
am Ende
aber
doch verarscht
und alles
am Arsch.