Der größte Feind der Liebe
Ist nicht der Hass. Auch nicht der Alltag.
Noch nicht einmal die Lieblosigkeit.
Der größte Feind der Liebe
Ist die Liebe. Sie brennt uns aus.
Sie zehrt uns auf.
Wie aber kann lieben,
Wer nicht mehr da ist?
Der größte Feind der Liebe
Ist nicht der Hass. Auch nicht der Alltag.
Noch nicht einmal die Lieblosigkeit.
Der größte Feind der Liebe
Ist die Liebe. Sie brennt uns aus.
Sie zehrt uns auf.
Wie aber kann lieben,
Wer nicht mehr da ist?
Der sechste Impuls – am lagerfeuer – hat mich zu diesem Textchen inspiriert:
Lagerfeuer
Die Flammen lecken sich züngelnd die Lippen.
Es gurgelt, es schmurgelt. Knisternde Hitze.
Im schmatzenden Feuer brutzelt mein Herz.
Die Liebe höre ich singen ihr sengendes Lied.
Ich glühe, sie lodert. Das Lager, es brennt.
Über die Jahre
ist der Weg zu Deinem Herzen
unwegsam geworden, steinig, dornig, wild.
Die ehemals breite Treppe ist gänzlich zugewuchert,
rostige Riegel halten das Tor eisern verschlossen.
Ich habe die Wahl: Entweder
ich finde die Formel, die den bösen Zauber bricht,
oder ich versuche es über den Hintereingang.
Sobald
ich wieder
ganz bei mir
bin, komme
ich wieder
zu Dir. Ganz.
Bald.
Finde ich Dich,
Verliere ich mich.
Finde ich mich,
Verliere ich Dich.
Finden wir uns,
Wenn wir uns verlieren?
Der Ort,
an dem ich
ICH bin,
bist DU.
Der siebenundzwanzigste Impuls – „unendlich“ – hat mich erneut zu einem kleinen Liebesgedicht inspiriert (und offenbar wirkt das Tiefseewesen noch nach).
unendlich
unendlich
eintauchen
in deine Liebe
bis zum Grund
und weit darüber
hinaus
unendlich
Beim vierzehnten Impuls – “unfassbar” – konnte ich jetzt nicht widerstehen (auch wenn mich das für den folgenden Impuls “fassbar” in die Bredouille bringen wird): Das MUSSTE, das KONNTE NUR ein Liebesgedicht werden für meinen geliebten Mann, der mich liebt – schon dies: unfassbar! – und dies auch schon seit über dreißig Jahren: unfassbar! – und der immer noch viele kleine Geheimnisse für mich bereithält: unfassbar!
unfassbar
Du
Der dreizehnte Impuls – „schaut auch diesen tanz (link) an und lasst euch durch bewegung, musik, ausdruck inspirieren“ (eine Anregung von @fliegergedanke; Tanz ab Minute 0:24) – führt mich in ein ganz neues Feld. Einen Tanz lyrisch umzusetzen, das hatte ich, soweit ich mich erinnern kann, noch nie versucht. Herausgekommen ist ein “Paargedicht”, also eine kleine Reflexion über das Paar-Sein, die allerdings nur ansatzweise der unbändigen Ausdruckskraft dieses tanzenden Paares gerecht wird.
Pas de deux
Schritt für Schritt
für Schritt für Schritt
Hand in Hand
Arm in Arm in
Arm in Arm
ganz Auge
ganz Ohr
Takt für Takt
für Takt für Takt
Schulter an Schulter
Bauch um Rücken an
Rücken um Bauch
ganz Körper, ganz Geist
in Liebe, in Leid
Ton um Ton
um Ton um Ton
Hand auf Arm um Schulter in
Freude in Leid auf Knie vor Brust vor
Schmerz auf Bauch auf Rücken aus
Liebe von Mund zu Ohr ins Auge um
Auge durch Leib in Seele
vier Arme vier Beine
zwei Körper zwei Herzen
ein Leben ein Tanz
mit Dir zu mir
durch mich in Dich
mit mir bei Dir
durch Dich in mich
So, und nun doch noch eine echte dichterische Aneignung (nach dem Experiment Übersetzung). Und da mich das Meer kürzlich inspiriert hatte, mich auf Haiku und Tanka einzulassen, eben nun in entsprechender Form, wobei ich mir die Freiheit genommen habe, die Form zu überschreiten – aber ich fand, dass es genau so Sinn macht.
Abenddämmerung
am Meer: Dunkelndes Blau – nah
Ewigkeit allein.
Zwischen Sonnenuntergang
und Abendstern: Weite nur –
und Du!
Heute war ich bei einem wunderschönen Konzert des Vokalensembles “Capella Moguntina”: “Zehn Sommer und eine Nacht”. Ein Stück hat es mir dabei besonders angetan: “Tonight Eternity Alone” von René Clausen nach einem Gedicht von Thomas S. Jones Jr. (1882-1932). Clausen hat den Text ein wenig modifiziert, aber im Programmheft war ein Teil des Originals abgedruckt – das hat mich neugierig gemacht. Und nun begebe ich mich auf für mich ungewöhnliches Terrain (denn mit Englisch hab ich es nicht so): Ich versuche mich an einer (nachdichtenden) Übersetzung, unter dem Eindruck des Konzerts und in frischer Erinnerung an eine schöne Zeit am Meer. Hier das Gedicht im Original:
Dusk at Sea
To-night eternity alone is near:
The sea, the sunset, and the darkening blue;
Within their shelter is no space for fear,
Only the wonder that such things are true.The thought of you is like the dusk at sea —
Space and wide freedom and old shores left far,
The shelter of a lone immensity
Sealed by the sunset and the evening star.
Heute Nacht ist nahe einzig die Ewigkeit:
Das offene Meer, der Sonnenuntergang, das dunkelnde Blau.
Darin geborgen ist kein Platz für Angst,
Allein das Wunder, dass es wahr ist.
Der Gedanke an Dich ist wie die Abenddämmerung am Meer –
Offener Raum, große Freiheit, weit zurückgelassen die alten Ufer,
Die Geborgenheit einer einsamen Unermesslichkeit
Eingeschlossen in Sonnenuntergang und Abendstern.