– eine Antwort auf Rolf Bossert –
argument
ich schrei
beweil
ich
a
gesagt habeRolf Bossert, aus: Ich steh auf den Treppen des Winds
und
a
hast du gesagt
weil
sie dir
ein X für ein U
vorgeschrie
ben haben
und das
von A bis Z
– eine Antwort auf Rolf Bossert –
argument
ich schrei
beweil
ich
a
gesagt habeRolf Bossert, aus: Ich steh auf den Treppen des Winds
und
a
hast du gesagt
weil
sie dir
ein X für ein U
vorgeschrie
ben haben
und das
von A bis Z
Greif dir ein Wort
aus der Luft
und schreibe es
in den Wind.
Wasch dein Wort
mit allen Wassern
und baue dir daraus ein Lied
auf Sand.
Schnitze dir ein neues Wort
aus dem gleichen Holz
und schieße es
auf den Mond,
in den du schaust.
Hol dir ein letztes Wort
aus dem Feuer
und bringe es
unter die Erde
und lege es
der Welt in den Mund.
Jenseits von
Ja oder Nein
blinzelt
das Leben.
Jenseits von
Für oder Wider
lächelt
die Liebe.
Jenseits von
Schwarz oder Weiß
ist es
bunt.
Mein Ich
will sich
von mir
trennen.
Was bleibt
von mir, wenn
mein Ich nicht mehr
bei mir ist?
Ich frage
mein Ich:
Was stört dich denn
an mir?
Du bist
nicht mehr Ich,
klagt
mein Ich.
Bleib doch
bei mir,
bitte ich
mein Ich.
Mein Ich
lächelt:
Nur, wenn
du gehst.
Jetzt habe ich
die Wahl:
Mein Ich
oder ich.
in geschichten
und gedichten
mal im licht
mal im dickicht
bald auf sicht
im leichten und seichten wie
im wichtigen und richtigen
auf dem teppich
unterm strich
im gekicher
im gestichel
im mich, im dich
im stich
im nichts
ich bin ich
oder?
ich bin du für dich
ich bin sie für sie und ihn und sie
ich bin wir für dich und mich, für uns
ich bin ihr für euch
ich bin Sie für Sie
ich bin zu oft nur mich
ich bin zu oft nur mir
ich bin viel zu selten wirklich ich
hier wie dort
weder hier noch dort
schon viel zu lange
weg von dort
von dort hierher
hier nur der von dort
hier nie ganz hier
hier immer noch dort
nur bald wieder
weg von hier
von hier dorthin
dort wieder der von hier
dort ganz dort
dort wieder hier –
doch
nie mehr dorthin
nie wieder dort
für immer hier
für immer hier
und doch nicht hier
nicht dort, nicht hier
nur da
für Hermann K.
Ich dichte,
dachte ich.
Doch ich dichtete,
damit ich dachte.
Ich dichtete
mit Bedacht,
damit Gedachtes und Erdachtes
ein Dach bekäme,
ein dichtes Dach.
Dächte ich nach,
ich dichtete
dem Dich, dem Ich
zum Gedächtnis.
Ein Verdacht
verdichtet sich:
“Das ist doch kein Gedicht!”
unter dem Eindruck von György Ligetis Klangteppich „Lontano für großes Orchester“ (1967)
Die Weite des Klangs
verliert sich in
der Weite des Klangs
lang und weit
Die Tiefe des Klangs
verliert sich in
der Tiefe des Klangs
weit und tief
Die Trübe des Klangs
verliert sich in
der Trübe des Klangs
tief und trüb
Die Fülle des Klangs
verliert sich in
der Fülle des Klangs
trüb und voll
Die Dichte des Klangs
verliert sich in
der Dichte des Klangs
voll und dicht
Die Ferne des Klangs
verliert sich in
der Ferne des Klangs
dicht und fern
fern
fern
Ich schreibe über Dich und mich.
Ich schreibe mich an Dich.
Ich schreibe mich zu Dir.
Ich schreibe mich auf Dich.
Ich schreibe mich Dir unter die Haut.
Ich schreibe mich ein in Dich.
Ich schreibe mich aus in Dir.
Ich beschreibe mich mit Dir.
Ich umschreibe mich mit Dir.
Ich erschreibe mich mit Dir.
Ich überschreibe mich Dir.
Ich schreibe mich Dir zu.
Ich verschreibe mich Dir.
Ich verschreibe Dich mir.
Ich schreibe mich ab ohne Dich.
Ich schreibe mich ab von Dir.
Ich überschreibe mich mit Dir.
Ich zerschreibe mich für Dich.
Ich schreibe mich um durch Dich.
Ich unterschreibe Dich mit mir.
Ich schreibe
mich ein
in die Gedichte, die
ich lese.
Ich lese
mich auf
in den Gedichten, die
ich schreibe.
alles im Blick
nichts im Griff
immer nur Unsinn im Sinn