sehe den Wald
vor lauter
Bäumen nicht
habe mir
den eigenen
Ast abgesägt
komme auf
keinen grünen
Zweig
sitze zwischen
Baum und
Borke
habe ein
Brett vor
dem Kopf
bin auf dem
Holzweg
sehe den Wald
vor lauter
Bäumen nicht
habe mir
den eigenen
Ast abgesägt
komme auf
keinen grünen
Zweig
sitze zwischen
Baum und
Borke
habe ein
Brett vor
dem Kopf
bin auf dem
Holzweg
Ich suche.
Ich schaue hin, aber
ich sehe es nicht.
Ich suche weiter.
Ich suche.
Ich fasse hin, aber
ich greife es nicht.
Ich suche weiter.
Es ist da.
Vor meinen Augen.
Vor meinen Händen.
Ich suche.
Ich suche weiter.
Ich hab mich aus den Augen verloren,
bin unbekannt verzogen.
Ich hätte noch eine Nachricht
für mich, aber ich erhalte nur
eine Abwesenheitsnotiz.
Kein Anschluss unter dieser Nummer.
Ich mach mich auf
die Suche.
Ich schreibe
mit SCHWARZer Tinte
auf WEISSes Papier.
Ich schreibe mich
auf den GRÜNen Zweig und
an den ROTen Faden.
Ich schreibe mir
das BLAUe vom Himmel und
das GELBe vom Ei.
Ich schreibe mir
die GRAUe Theorie
in BUNTe Verse um.
Ich schreibe mich
in Farbe.
benutzt
abgenutzt
ausgenutzt
wem nutzt es?
gebraucht
verbraucht
missbraucht
wer braucht das?
bewertet
verwertet
abgewertet
was sind wir uns wert?
“Schwarzmalerei!”
rufen die Schönfärber empört.
“Schönfärberei!”
ereifern sich die Schwarzmaler.
Da lacht der Teufel,
den ich an die Wand gemalt habe,
um ihn gleich wieder
mit einem Pinselstrich
zu übertünchen.
Er fordert mich auf,
endlich Farbe zu bekennen.
Ein neuer Anstrich
wäre ganz nach seinem Geschmack –
in welcher Farbe auch immer.
Ich wasche ihm die Tünche wieder ab
und bekenne freimütig:
Weder das Schwarz der Schwarzmaler
noch die bunte Palette der Schönfärber
würde ihm den Anstrich geben können,
der ihm entspräche.
Das Opfer ist weiß.
Der Täter ist schwarz.
Der Täter wird verurteilt.
Das Opfer ist schwarz.
Der Täter ist weiß.
Der Täter wird freigesprochen.
Schwarz-Weiß-Malerei?
Mag sein.
Aber in der weißen Welt
leider immer noch oft genug
schwarze Realität.
Man reicht mir die Hand
und stellt mir ein Bein.
Man nimmt mich in den Arm
und setzt mir den Fuß in den Nacken.
Man fällt mir um den Hals
und lacht mir ins Gesicht.
Man tätschelt mir die Wange
und stößt mich vor den Kopf.
Man redet mir nach dem Mund
und zeigt mit dem Finger auf mich.
Man schaut mir in die Augen
und tritt mir auf die Zehen.
Man fällt mir zu Füßen
und zwingt mich in die Knie.
Man klopft mir auf die Schulter
und fällt mir in den Rücken.
Man pinselt mir den Bauch
und gibt mir einen Tritt in den Hintern.
Ich fahre aus der Haut.
Ich bin nicht nur ein
Halbschattenkind,
ich bin auch ein
Halbschattenkinderkind.
Im Schatten
des stets bevorzugten
erstgeborenen Bruders
der Vater.
Im Schatten
des früh verstorbenen,
weil kriegsversehrten Vaters
die Mutter.
Im Licht
einer ungleich geteilten Liebe
der Vater.
Im Licht
einer lieblosen Liebe
die Mutter.
Halbschattenkinder
also auch Ihr,
geliebte Eltern.
Tretet endlich in die Sonne,
tretet ins volle Licht
meiner verzeihenden Liebe.
Es gab kein
Sonnenkind,
in dessen
Schatten ich stand.
Ich wurde nicht
versteckt,
weil es mich
nicht hätte geben dürfen,
aber auch nicht
ins volle Licht gestellt,
wohl weil ich kein
Wunschkind war.
Ich war kein
Ersatzteillager
für Organe,
nur eine
Ersatzlebenhalde
für unerfüllte Träume.
Ich stand im
Schatten
eines Wunschbildes,
dem ähnlich zu werden
unmöglich war.
Ich stand im
Licht
einer Liebe des Wenn,
einer Liebe des Aber,
einer Liebe des Allerdings.
Ich bin ein
Halbschattenkind.
Stell mich in die Sonne,
Liebster,
ins pralle Licht
Deiner unbedingten Liebe!
Der Himmel ist
blau.
Überall.
Aber dort
ist der Teufel
weiß.
Wenn die Wunde
Nicht mehr schmerzt
schmerzt die Narbe.Bertolt Brecht
Und wenn die Narbe
Nicht mehr schmerzt
Schmerzt die Erinnerung.
Und wenn die Erinnerung
Nicht mehr schmerzt
Schmerzt die Erinnerung
An die Erinnerung.
Die Zeit heilt alle Wunden.
Der Schmerz bleibt.