Ich suche.
Ich schaue hin, aber
ich sehe es nicht.
Ich suche weiter.
Ich suche.
Ich fasse hin, aber
ich greife es nicht.
Ich suche weiter.
Es ist da.
Vor meinen Augen.
Vor meinen Händen.
Ich suche.
Ich suche weiter.
Ich suche.
Ich schaue hin, aber
ich sehe es nicht.
Ich suche weiter.
Ich suche.
Ich fasse hin, aber
ich greife es nicht.
Ich suche weiter.
Es ist da.
Vor meinen Augen.
Vor meinen Händen.
Ich suche.
Ich suche weiter.
Ich hab mich aus den Augen verloren,
bin unbekannt verzogen.
Ich hätte noch eine Nachricht
für mich, aber ich erhalte nur
eine Abwesenheitsnotiz.
Kein Anschluss unter dieser Nummer.
Ich mach mich auf
die Suche.
benutzt
abgenutzt
ausgenutzt
wem nutzt es?
gebraucht
verbraucht
missbraucht
wer braucht das?
bewertet
verwertet
abgewertet
was sind wir uns wert?
Man reicht mir die Hand
und stellt mir ein Bein.
Man nimmt mich in den Arm
und setzt mir den Fuß in den Nacken.
Man fällt mir um den Hals
und lacht mir ins Gesicht.
Man tätschelt mir die Wange
und stößt mich vor den Kopf.
Man redet mir nach dem Mund
und zeigt mit dem Finger auf mich.
Man schaut mir in die Augen
und tritt mir auf die Zehen.
Man fällt mir zu Füßen
und zwingt mich in die Knie.
Man klopft mir auf die Schulter
und fällt mir in den Rücken.
Man pinselt mir den Bauch
und gibt mir einen Tritt in den Hintern.
Ich fahre aus der Haut.
Wenn die Wunde
Nicht mehr schmerzt
schmerzt die Narbe.Bertolt Brecht
Und wenn die Narbe
Nicht mehr schmerzt
Schmerzt die Erinnerung.
Und wenn die Erinnerung
Nicht mehr schmerzt
Schmerzt die Erinnerung
An die Erinnerung.
Die Zeit heilt alle Wunden.
Der Schmerz bleibt.
Bisswunden
hast du,
weil du
immer wieder die Zähne zusammengebissen.
Brandwunden
hast du,
weil du
dir regelmäßig den Mund verbrannt.
Platzwunden
hast du,
nicht weil du
auf den Kopf gefallen, sondern
weil du
dich fallen gelassen.
Schnittwunden
hast du,
weil du
dich ins eigene Fleisch geschnitten.
Schürfwunden
hast du,
weil du
am eigenen Leben vorbeigschrammt.
Am toten Punkt
steht noch nicht einmal
ein Fragezeichen.
In engen Klammern
ist kein Platz für einen
augenzwinkernden Strichpunkt.
Aber
auf der anderen Seite
des Gedankenstrichs
wartet unverdrossen
das lebendige Komma
und sendet
Rufzeichen.
für Hans
Du wirst immer
in unserer Mitte sein
bei jedem guten Glas Wein,
das wir trinken.
Du wirst immer
in unseren Herzen sein
bei jedem guten Konzert,
das wir hören,
bei jedem schönen Bild,
das wir sehen.
Du wirst immer
neben uns sein
bei jedem guten Gedicht,
das wir lesen.
Du wirst immer
hinter mir stehen
bei jedem Gedicht,
das ich schreibe.
Unterbrochen
ist das Gespräch,
das wir eben erst
neu begonnen.
Zerrissen
ist das Band,
das uns gerade
zu Lyrikfreunden
neu verbunden.
Ungeschrieben
bleibt nun das Kapitel,
das unsere fragile Freundschaft
neu aufgeschlagen.
Nachrufen
möchte ich Dir
Worte im Scherz und
Worte im Ernst,
die ich Dir noch hätte sagen wollen,
Geschichten
aus der Welt des Alltags und der Phantasie,
die wir uns nun nicht mehr erzählen können,
Gedichte,
geschriebene und ungeschriebene,
die Du nun nicht mehr lesen wirst.
Ach, gäbe es nur einen Ort,
wohin ich Dir all die
ungesagten Worte,
unerzählten Geschichten
ungelesenen Gedichte
nachrufen könnte!
Was hilft’s:
Ich werde diesen Ort,
den Port meiner Nachrufe,
meiner Rufe Dir nach
finden müssen
in mir.
Um nicht verrückt zu werden:
Gib dir einen Ruck und
verrück dich selbst,
rück ein Stück und
verrück dich Stück um Stück und
entrück dich so
dem alltäglichen Wahnsinn.
Behände
strecke ich
meine Hände
aus,
mein Herz
greift beherzt
zu,
am Ende
aber
doch verarscht
und alles
am Arsch.
Wem man
einen Bären
auf die Nase bindet
und
wen man dann
an der Nase herumführt,
dem hilft
seine gute Nase nicht.
Lachen ist die beste Medizin,
sagt man.
Dass ich nicht lache!
Ich habe nichts zu lachen.
Mir ist nicht zum Lachen zumute.
Sie haben gut lachen!
Mir ist das Lachen vergangen
oder auch nur im Halse stecken geblieben,
so dass ich nicht mehr
aus vollem Halse lachen kann.
Sie werden lachen,
aber ich habe das Lachen verlernt.
Es wäre doch gelacht,
wenn ich darüber nicht lachen könnte.
Es darf gelacht werden!