Aus einem Lamm
wird nie ein Wolf.
Nur ein Schaf.
Allenfalls
ein Schaf im Wolfspelz.
Doch wer weiß?
Wenn die Not unerträglich
und die Wut groß genug wird,
warum soll dann nicht
aus einem Lamm
ein Wolf,
ja ein Bär, ein Löwe
werden können?
Aus einem Lamm
wird nie ein Wolf.
Nur ein Schaf.
Allenfalls
ein Schaf im Wolfspelz.
Doch wer weiß?
Wenn die Not unerträglich
und die Wut groß genug wird,
warum soll dann nicht
aus einem Lamm
ein Wolf,
ja ein Bär, ein Löwe
werden können?
Alle
denken nur
an sich.
Keiner
denkt
an mich.
Außer
mir.
Wer das
Herz am
rechten Fleck hat,
dessen Herz schlägt
links.
Und wer
recht bei
Verstand ist,
dessen Verstand tickt
links.
Rächt sich so
die Natur
an der Sprache?
Du hast die Wahl:
Du kannst
gelassen bleiben oder
gelassen werden,
am Leben bleiben oder
lebendig werden,
dir treu bleiben oder
dir treu werden,
dabei bleiben oder
daraus werden.
Das bleibt aber unter uns,
bis es wahr wird.
Wo rechts vor links gilt,
weiß die rechte Hand sehr wohl,
was die linke tut.
Und man ist auch nicht
auf dem rechten Auge blind.
Vielmehr
sieht man alles
nur mit dem rechten Auge
und steht auch immer
mit dem rechten Fuß auf.
Alles was Recht ist:
Rechtsverbindlich wird,
was rechtsverbunden.
Statt rechtgläubig
ist man rechtsgläubig.
Statt Recht gesprochen
wird Recht gebrochen,
nicht von Rechts wegen,
sondern von rechts wegen.
Da bekommt das Wort
Rechtsstaat
eine ganz neue Bedeutung.
Damit diese Form von
Rechtspflege
ein Ende nimmt:
Zeit für einen
Rechtsbruch?
Älter
werden wir
von Geburt an,
immer,
jeden Augenblick.
Leben ist
ein lebenslanges Altern,
ein lebenslanges Sterben –
warum
sind wir dann,
wenn es ernst wird,
nicht schon längst daran gewöhnt?
Wir sind
mit unserem Latein
am Ende.
Dann lasst es uns doch
mit unserem Griechisch
versuchen.
Doch wo die Tyrannei der Banken
die Wiege der Demokratie
beherrscht,
kommen wir
mit unserem Griechisch
auch nicht sehr weit.
Dann lasst es uns doch
mit unserem Hebräisch
versuchen.
Doch wo das gelobte Land
den Fluch des Krieges
verbreitet,
reicht unser Hebräisch
noch nicht einmal für
einen neuen Anfang.
Sie gaben ihre Zukunft
für eine Gegenwart,
die nie Vergangenheit wurde.
zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Liao Yiwu
Was ist das eigentlich,
was wir MITMENSCHEN nennen?
Sind sie nicht vielmehr
NEBENMENSCHEN?
Weil sie einfach nur neben uns leben,
ohne Anteil an uns zu nehmen.
Sind sie nicht vielmehr
UMMENSCHEN?
Weil sie um uns sind, uns umgeben –
zufällig oder in der Hoffnung auf einen Vorteil.
Sind sie nicht vielmehr
BEIMENSCHEN?
Weil sie zwar bei uns sind,
aber nicht, wenn wir ihren Beistand brauchen.
Sind manche nicht sogar
GEGENMENSCHEN?
Weil sie gegen uns agieren
in der Absicht, uns zu schaden.
Nur wenige sind wirklich
MITMENSCHEN,
die wirklich mit uns leben,
die unsere Ängste und Wünsche
zumindest ernst nehmen,
zuweilen sogar teilen
oder sogar uns dabei helfen,
unsere Ängste zu zerstreuen
und uns unsere Wünsche zu erfüllen.
Pack die Schnecke bei den Hörnern
und den Stier bei den hängenden Ohren.
Blick dem Traum ins Auge
und der Realität ins gähnende Maul.
Pack das Pech beim Schopf
und das Glück an seinem wedelnden Schwanz.
Zieh dem Tod die Hammelbeine
und dem Leben die durchsichtigen Elfenflügel lang.
Steh mit beiden Beinen im Mist
und mit allen Sinnen im Leben.
Was ist das für ein Land,
in dem man das Leben
– gegen Gebühr –
hält wie ein Tier?
Oder in dem
die Haltung gegenüber dem Leben
etwas kostet?
„Ich denke, also bin ich“,
sagt der Philosoph.
„Ich schreibe, also bin ich“,
sagt der Poet.
„Ich rechne also bin ich,“
sagt der Kaufmann.
„Ich sehe, also bin ich,“
sagt der Maler.
„Ich höre, also bin ich,“
sagt der Musiker.
„Ich rieche und schmecke, also bin ich,“
sagt der Koch.
„Ich belle, also bin ich,“
sagt der Hund.
„Ich fliege, also bin ich,“
sagt der Vogel.
„Ich wachse, also bin ich,“
sagt die Pflanze.
„Ich lebe, also bin ich,“
sagt der Lebenskünstler.
„Ich sterbe, also war ich,“
sagt der Totkranke.
„Ich atme, also bin ich,“
sagt der Genesene.
„Ich bin,“
sagt das Ich.
„Und weil ich bin,
atme, lebe und sterbe ich,
wachse, fliege und belle ich,
rieche, schmecke, höre und sehe ich,
rechne, schreibe und denke ich.“