blaumeisenblau
grünspechtgrün
rotkehlchenrot
gelbspöttergelb
grauammergrau
braunschnäpperbraun
weißkopfseeadlerweiß
schwarzschwalbenschwarz
Autor: Lyrifant
Lethargie
Dem Fuß
fehlt die Kraft
zum Aufstehen.
Dem Leib
fehlt die Stärke
zum Durchstehen.
Dem Kopf
fehlt der Antrieb
zum Bestehen.
Denn Sinnen
fehlt das Ziel
zum Einstehen.
Dem Herz
fehlt der Mut
zum Widerstehen.
Der Seele
fehlt die Energie
zum Überstehen.
Der Hand
fehlt die Macht
zum Beistehen.
Dem Geist
fehlt die Fähigkeit
zum Verstehen.
Du kannst nicht mehr vor Dir bestehen.
Deine Ohnmacht steht Deiner Kraftlosigkeit in nichts nach.
Dabei steht Dir Stehvermögen und Standfestigkeit zu.
Aber alles steht still.
Der Schriftsteller
Er stellt Fallen,
stellt die fliehenden Wörter.
Er stellt die Sprache zur Rede,
stellt der Zeit einen Zeugen.
Er stellt Augen und Ohren,
stellt die Weichen für neue Wortzüge.
Er stellt sich seiner Sprache
und der Welt.
Er ist Schriftsteller,
er stellt Wort neben Wort,
Sinn neben Sinn in Schrift.
Pfusch
Schwächen vertuscht
Lächeln verhuscht
Immer gekuscht
Leben verpfuscht
Im falschen Leben
Zur falschen Zeit
am falschen Ort.
In fremden Federn
und fremden Sprachen
unter fremden Leuten.
In fahlem Licht
mit fahlem Lächeln.
In hohlen Gassen
und hohlen Wegen
zwischen hohlen Buchen
auf hohlen Nüssen.
Bei verfehltem Ziel
im verfehlten Thema.
Im geborgten Kleid
auf geborgten Ehren
mit geborgten Worten.
Mit gebrochenen Schwingen
und gebrochenem Rückgrat.
Kurzum: Im falschen Leben.
Wie kommt der Tee-Hai ins Tee-Ei?
Teetrinken kann gefährlich sein, denn da lauert er in den Tiefen von Tasse und Kanne: der Tee-Hai. Unschädlich gemacht wird er, indem man ihn kurzerhand ins Tee-Ei sperrt. Doch:
Wie kommt der Tee-Hai
ins Tee-Ei?
Ruf die Tee-Fee
aus dem Tee-See.
Rühr mit dem Fee-Zeh
süßen Mai-Klee
in schweren Blei-Brei
und lock damit den Tee-Hai
ohne viel Bo-hai
ins Tee-Ei.
Deckel zu – Ruh!
Heh, ruft der Hai.
Nee, sagt die Fee.
Weh, klagt der Hai.
So wird der Tee frei
vom Tee-Hai.
Herzwärts
Zung über Lipp,
Bauch unter Po,
Bein bei Bein,
Arm um Arm,
Ohr auf Brust,
Mund an Hals,
Aug auf Aug,
Nas an Nas.
Herz über Kopf
kopfüber
in die Nacht
– herzwärts.
Eine Rose ist eine Tulpe
für J. M.
Eine Rose ist eine Tulpe.
Das wäre ein schöner Vers für ein Gedicht,
aber schade: Er reimt sich nicht!
Das ist des Dichters Fluch.
Doch bleibt uns ein zweiter Versuch:
Eine Rose ist eine Narzisse,
so der Dichter spricht – doch wisse:
Eine Narzisse ist eine Rose,
damit geht jede Botanik in die Hose.
Nur in der Lyrik ist alles erlaubt:
Da ist selbst ein Haus belaubt,
und ein Mensch ist ein Tier,
und ein Lamm ist ein Stier.
So hat eine jede Systematik
in der Lyrik ihre eigene Logik.
Nur die Tulpe hat keinen Ort,
reimlos steht sie dort,
ganz für sich allein.
Und dennoch kann in der Lyrik auch die Rose eine Tulpe sein.
Was heißt es?
Was heißt es,
wenn man sagt:
„Du bist mein Alles.“?
Heißt das: Du bist mein Tisch, mein Stuhl, mein Bett?
Mein Ofen, mein Herd?
Heißt das: Du bist mein Himmel, mein Wasser, meine Erde?
Meine Welt, mein Universum?
Heißt das: Du bist meine Hand, mein Fuß, mein Kopf?
Mein Hemd, mein Kleid, mein Schuh?
Heißt das: Du bist meine Luft zum Atmen,
mein Fenster zur Welt,
mein täglicher Weg?
Heißt das: Du bist der Motor, der mich antreibt?
Die Energie, die mich durchströmt?
Die Kraft, die mich trägt?
Der Geist, der mich erleuchtet?
Und heißt das dann nicht auch: Du bist mein Lachen, mein Weinen?
Du bist mein Glück, mein Unglück?
Du bist meine Liebe, mein Hass?
Du bist mein Leben, mein Tod?
Oder ist das einfach nur eine dumme Redewendung?
Was ich Dir sein kann
Ich weiß:
Ich kann Dir kein Hafen sein,
aber vielleicht
ein Steg
in der Wildnis.
Ich weiß:
Ich kann Dir kein Heim sein,
aber vielleicht
eine Schutzhütte
in den Bergen.
Ich weiß:
Ich kann Dir keine Heimat sein,
aber vielleicht
ein Felsvorsprung
im weiten Meer.
Ich weiß:
Ich kann Dir kein Strohhalm sein,
der Dich vor dem Ertrinken rettet,
aber vielleicht
gemeinsam mit Dir untergehen.
Mit-Exil
Was es heißt,
im Exil zu leben,
weiß nur,
wer im Exil lebt.
Was es heißt,
mit einem Menschen zu leben,
der im Exil lebt,
weiß nur,
wer mit einem Menschen lebt,
der im Exil lebt.
Ich nenne es:
Mit-Exil.
Ohne Dich
Eine Nacht
ohne Dich
ist eine kalte Nacht.
Eine Nacht
ohne Dich
ist eine dunkle Nacht
Eine Nacht
ohne Dich
ist eine einsame Nacht.
Ein Tag
ohne Dich
ist ein kalter Tag.
Ein Tag
ohne Dich
ist ein dunkler Tag.
Ein Tag
ohne Dich
ist ein einsamer Tag.
Eine verlorene Nacht.
ein verlorener Tag,
eine Nacht, ein Tag ohne Dich.