Das Einmaleins der Modalverben

I         Lied der Zwänge

Ich mag nicht,
aber ich muss.

Ich kann nicht,
aber ich soll.

Ich darf nicht,
aber ich will.

 

II       Lied der Verweigerung

Ich darf,
aber ich muss nicht.

Ich soll,
aber ich mag nicht.

Ich kann,
aber ich will nicht.

 

III      Lied der Freiheit

Ich darf,
was ich will.

Ich muss nur,
was ich mag.

Ich kann,
was ich soll.

Credo

I

Lieber
mit wenigen Worten
viel sagen,
als
mit vielen Worten
wenig sagen.

 

II

Lieber
ohne Worte
als
ein Wort zuviel,
ein falsches Wort,
ein richtiges Wort zur Unzeit.

 

III

Lieber
ein wortkarges
Wortspiel
als
wortmächtiger
Tatenernst.

Mein Weg

Mein Weg
ist
mein Weg.

Manchmal
ein Irrweg,
manchmal
ein Umweg.

Manchmal
eine Sackgasse,
manchmal
eine Einbahnstraße.

Manchmal
eine Rutschbahn,
manchmal
ein Klettersteig.

Manchmal
Kriechspur,
manchmal
Überholspur.

Aber immer
ist mein Weg
mein Weg.

Elektronisches Zuhause

Ja, ich wohn‘ in meiner Mailbox.
Komm herein
zum „Posteingang“
und mach es dir bequem.
Ich hol nur noch ein paar Cookies
aus dem „Junk“.
Mein Fenster zur Welt
ist der „Postausgang“.
Kreative Würfe
landen in „Entwürfe“.
Und nachts schlaf ich tief
im Ordner „Archiv“.

Mitmenschen

Was ist das eigentlich,
was wir MITMENSCHEN nennen?

Sind sie nicht vielmehr
NEBENMENSCHEN?
Weil sie einfach nur neben uns leben,
ohne Anteil an uns zu nehmen.

Sind sie nicht vielmehr
UMMENSCHEN?
Weil sie um uns sind, uns umgeben –
zufällig oder in der Hoffnung auf einen Vorteil.

Sind sie nicht vielmehr
BEIMENSCHEN?
Weil sie zwar bei uns sind,
aber nicht, wenn wir ihren Beistand brauchen.

Sind manche nicht sogar
GEGENMENSCHEN?
Weil sie gegen uns agieren
in der Absicht, uns zu schaden.

Nur wenige sind wirklich
MITMENSCHEN,
die wirklich mit uns leben,
die unsere Ängste und Wünsche
zumindest ernst nehmen,
zuweilen sogar teilen
oder sogar uns dabei helfen,
unsere Ängste zu zerstreuen
und uns unsere Wünsche zu erfüllen.

Orte der Geborgenheit

wo du dich verbergen kannst,
wenn dir die Welt zu laut wird.

wo du dir Freude borgen kannst,
ohne sie zurückgeben zu müssen.

wo du immer eine Herberge findest,
sogar mitten in der Nacht.

wo man für dich bürgt,
ohne mit der Wimper zu zucken.

wo deine Burg steht,
fest und uneinnehmbar.

Was kann ein Gedicht?

Hat ein Gedicht
wirklich Gewicht
in unserer leichtfertigen Zeit?

Vielleicht nicht immer,
aber Gedichte
verschieben Gewichte,
was nicht jedem gefällt.

Hält ein Gedicht,
wirklich Gericht
über Recht und Unrecht in unserer Welt?

Vielleicht nicht immer,
aber Gedichte
servieren Gerichte,
die nicht jedem schmecken.

Gibt ein Gedicht
wirklich Gesicht
unseren Träumen und Wünschen?

Vielleicht nicht immer,
aber Gedichte
beschreiben Gesichte,
die nicht jeder sehen kann.

Gedichte
sind wichtig,
vielleicht nicht immer richtig,
manchmal auch kurz-
zuweilen doch hellsichtig,
nie nichtig.

Anti-Schlaflied

(auf die Melodie „Schlaf, Kindlein, schlaf“)

Wach, Kindlein, wach!
Der Vater sucht nur Krach.
Die Mutter tritt noch hinterher,
da hilft dann nur noch Gegenwehr.
Wach, Kindlein, wach!

Geh, Kindlein, geh!
Die Trennung tut zwar weh.
Doch Vater, Mutter tun nicht gut,
so nimm dann endlich deinen Hut.
Geh, Kindlein, geh!

Steh, Kindlein, steh!
Ins eigne Leben geh!
Sei selbst nun Vater, Mutter dir,
vertrau auf dich, gehörst nur dir.
Steh, Kindlein, steh!

Zum Lachen

Lachen ist die beste Medizin,
sagt man.
Dass ich nicht lache!

Ich habe nichts zu lachen.
Mir ist nicht zum Lachen zumute.

Sie haben gut lachen!

Mir ist das Lachen vergangen
oder auch nur im Halse stecken geblieben,
so dass ich nicht mehr
aus vollem Halse lachen kann.

Sie werden lachen,
aber ich habe das Lachen verlernt.

Es wäre doch gelacht,
wenn ich darüber nicht lachen könnte.

Es darf gelacht werden!