Du hast die Wahl:
Du kannst
gelassen bleiben oder
gelassen werden,
am Leben bleiben oder
lebendig werden,
dir treu bleiben oder
dir treu werden,
dabei bleiben oder
daraus werden.
Das bleibt aber unter uns,
bis es wahr wird.
Du hast die Wahl:
Du kannst
gelassen bleiben oder
gelassen werden,
am Leben bleiben oder
lebendig werden,
dir treu bleiben oder
dir treu werden,
dabei bleiben oder
daraus werden.
Das bleibt aber unter uns,
bis es wahr wird.
“Mein Herz ist schon gelocht”,
sagst Du,
als ich, zufällig
mit dem Locher in der Hand,
vor Dir stehe.
“Gelocht, gestempelt und abgeheftet”,
denke ich.
“Nicht nur”, denkst Du,
“sondern auch
durchlöchert, durchbohrt, durchstochen.”
Wo rechts vor links gilt,
weiß die rechte Hand sehr wohl,
was die linke tut.
Und man ist auch nicht
auf dem rechten Auge blind.
Vielmehr
sieht man alles
nur mit dem rechten Auge
und steht auch immer
mit dem rechten Fuß auf.
Alles was Recht ist:
Rechtsverbindlich wird,
was rechtsverbunden.
Statt rechtgläubig
ist man rechtsgläubig.
Statt Recht gesprochen
wird Recht gebrochen,
nicht von Rechts wegen,
sondern von rechts wegen.
Da bekommt das Wort
Rechtsstaat
eine ganz neue Bedeutung.
Damit diese Form von
Rechtspflege
ein Ende nimmt:
Zeit für einen
Rechtsbruch?
Ich bin es uns
schuldig,
denke ich,
offen
zu Dir zu sein,
und lege
meine Finger in
Deine offenen Wunden.
Warum
fühle ich mich
schuldig, wie
ein Verräter?
Sie werfen Dir vor,
dass Du
auch nach so langer Zeit
nur gebrochen Deutsch
sprichst.
Ich denke:
Ach, wenn es doch
nur das Deutsch
wäre, das gebrochen ist.
Älter
werden wir
von Geburt an,
immer,
jeden Augenblick.
Leben ist
ein lebenslanges Altern,
ein lebenslanges Sterben –
warum
sind wir dann,
wenn es ernst wird,
nicht schon längst daran gewöhnt?
Ich bin bereit,
mit Dir meinen Schokoladenhasen zu
teilen, aber Du
magst keine Schokolade.
Ich möchte gern
mit Dir meine Lieblingsbücher
teilen, aber Du
machst Dir nicht viel aus Lesen.
Ich will
mit Dir meine Träume
teilen, aber Du
lebst lieber in der Wirklichkeit.
Teilen
ist gar nicht so
einfach, genauso wenig
einfach wie
Lieben.
Wer liebt, teilt,
auch was er nicht
teilen will.
(vor dem leeren Blatt Papier)
Fang an.
Fang das Wort.
Fang es auf.
Fang es ein.
Fang was damit an.
Fang immer wieder davon an.
Und wenn es dich ganz gefangen hat,
dann ist es ein guter
Fang.
(nur für Kichererbsen)
Sprechbohnen und
Plaudersellerie unter
Wortkrumenkohl.
Deckrüben im
Lauerkraut an
Klopfsalat.
Kachelbeeren aus der
Mauerkirsche.
Schwafelbirnen versprechen
Paradieschen.
Dies ist nur ein Märchen aus
Märlauch,
Dünnbrettich!
Bisswunden
hast du,
weil du
immer wieder die Zähne zusammengebissen.
Brandwunden
hast du,
weil du
dir regelmäßig den Mund verbrannt.
Platzwunden
hast du,
nicht weil du
auf den Kopf gefallen, sondern
weil du
dich fallen gelassen.
Schnittwunden
hast du,
weil du
dich ins eigene Fleisch geschnitten.
Schürfwunden
hast du,
weil du
am eigenen Leben vorbeigschrammt.
Kunterbunt war ihre Welt.
In allen Farben des Regenbogens schillerten ihre Lebensträume
wie Seifenblasen in der Sonne.
Farbenfroh leuchtete ihre Zukunft
bis zu dem Schuss.
Danach war die Welt schwarz.
Am toten Punkt
steht noch nicht einmal
ein Fragezeichen.
In engen Klammern
ist kein Platz für einen
augenzwinkernden Strichpunkt.
Aber
auf der anderen Seite
des Gedankenstrichs
wartet unverdrossen
das lebendige Komma
und sendet
Rufzeichen.