Liebe macht blind.
Nicht nur.
Auch taub.
Und manchmal
auch stumm.
Es ist aber auch
die Liebe, die
Augen,
Ohren und
Mund
zu öffnen vermag.
Liebe macht blind.
Nicht nur.
Auch taub.
Und manchmal
auch stumm.
Es ist aber auch
die Liebe, die
Augen,
Ohren und
Mund
zu öffnen vermag.
rein sind wir
und raus bist Du
ich liebe Dich
und rein bist Du
für mich
und raus bist Du
für sie
ich liebe Dich
und raus bin ich
rein sind sie
und raus sind wir
für George Orwell
Level 1
Ich werde überwacht.
Du wirst überwacht.
Er wird überwacht.
Sie wird überwacht.
Wir werden überwacht.
Ihr werdet überwacht.
Sie überwachen.
Level 2
Ich beobachte dich.
Du beobachtest mich.
Er beobachtet sie.
Sie beobachtet ihn.
Wir beobachten euch.
Ihr beobachtet uns.
Sie lassen beobachten.
Ich belausche dich.
Du belauschst ihn.
Er bespitzelt sie.
Sie bespitzelt uns.
Wir verfolgen euch.
Ihr verfolgt mich.
Sie haben die Kontrolle.
Ich überwache mich.
Du überwachst dich.
Er überwacht sich.
Sie überwacht sich.
Wir überwachen uns.
Ihr überwacht euch.
Sie haben die Macht.
Level 3
Ich lasse mich beobachten.
Du lässt dich beobachten.
Er lässt sich beobachten.
Sie lässt sich beobachten.
Wir lassen uns beobachten.
Ihr lasst euch beobachten.
Sie halten sich verborgen.
Ich habe ja nichts zu verbergen, sage ich.
Du habest ja nichts zu verbergen, sagst du.
Er habe ja nichts zu verbergen, sagt er.
Sie habe ja nichts zu verbergen, sagt sie.
Wir haben ja nichts zu verbergen, sagen wir.
Ihr habet ja nichts zu verbergen, sagt ihr.
Sie verbergen ihre wahren Interessen.
Ich gebe mich ihm preis.
Du gibst dich ihr preis.
Er gibt sich uns preis.
Sie gibt sich euch preis.
Wir geben uns dir preis.
Ihr gebt euch mir preis.
Sie bestimmen den Preis.
Ich gebe mich ihr gerne preis. Das gefällt mir.
Du gibst dich uns freiwillig preis. Das gefällt dir.
Er gibt sich euch bereitwillig preis. Das gefällt ihm.
Sie gibt sich mir mit Vergnügen preis. Das gefällt ihr.
Wir geben uns dir mit Begeisterung preis. Das gefällt uns.
Ihr gebt euch ihm bedenkenlos preis. Das gefällt euch.
Das gefällt ihnen. Sie preisen uns dafür.
Wir zahlen den Preis.
(An diesem Gedicht arbeite ich schon länger. Dass es nun gerade so aktuell wird, hatte ich nicht vorausgesehen).
Wir leisten etwas.
Wir leisten viel.
Wir leisten Außergewöhnliches.
Wir leisten Erstaunliches.
Wir leisten ganze Arbeit.
Wir leisten gute Arbeit.
Wir leisten Überstunden.
Wir leisten wichtige Beiträge.
Wir leisten gute Dienste.
Wir leisten Beistand und Hilfe.
Wir leisten Abbitte.
Wir leisten Verzicht.
Wir leisten Garantie.
Wir leisten Eide und Unterschriften.
Wir leisten Zahlungen.
Wir leisten uns etwas,
weil wir es uns leisten können.
Wir leisten Gehorsam.
Wir leisten Gefolgschaft.
Wir leisten sogar Widerstand.
Dass wir uns das leisten können!
Wir üben Kritik.
Wir proben den Aufstand.
Wann aber machen wir Ernst?
Uns erfüllt Empörung.
Wir geraten in Aufruhr.
Wann aber empören wir uns
und werden zu Aufrührern?
Wir legen Einspruch ein.
Wir setzen uns zur Wehr.
Wir lehnen uns auf.
Wann aber stehen wir endlich auf?
Wir erheben Einwände.
Wir erheben Protest.
Wir erheben Widerspruch.
Wann aber erheben wir uns?
Wir leisten Widerstand,
als wenn es Gehorsam wäre.
Wann aber widerstehen wir endlich?
für C. R., die am ersten Part mitgedichtet hat
lautlos
schmerzlos
wunschlos
oder:
kampflos
klaglos
schuldlos
schutzlos
trostlos
lieblos
grundlos
sorglos
furchtlos
zwanglos
farblos
freudlos
frucht- und kernlos
rettungslos ehrlos
pausenlos ruchlos
bodenlos schamlos
gnadenlos maßlos
atemlos zuchtlos
restlos gottlos
arg- und harmlos
reiz- und randlos
prunk- und glanzlos
ton- und spurlos
weder:
herzlos
hirnlos
hand- und fußlos
noch:
treulos
taktlos
traum- und fantasielos
nahtlos drahtlos
zahllos haltlos
endlos selbstlos
fraglos planlos
schadlos rastlos
straflos schlaflos
zinslos zeitlos
reimlos raumlos
achtlos
reglos
leblos
lustlos
hilflos
mutlos
machtlos
rechtlos
wehrlos
wahllos
sprachlos
baum- und mondlos
duftlos
bild- und schriftlos
wort- und blicklos
glücklos
kopf- und blutlos
kunst- und brotlos
saft- und kraftlos
sang- und klanglos
stil- und schmucklos
weg- und ziellos
zahn- und witzlos
licht- und geistlos
nicht formlos,
aber formfrei
nicht sinnlos,
aber sinnfrei
nicht zwecklos,
aber zweckfrei
nicht nutzlos,
aber nutzfrei
nicht ratlos,
aber ratfrei
Wenn wir dereinst
befreit sein werden,
und keiner mehr
über den anderen herrscht,
wer wird uns dann sagen,
wo es lang geht?
Wer verschmutzt,
putzt!
(Ich denke dabei allerdings weniger an Hausmüll…)
schon ganz viel
aber immer noch mehr
schon sehr gut
aber immer noch besser
schon ganz oben
aber immer noch höher
schon sehr weit
aber immer noch weiter
aber noch lieber:
nur ganz wenig
auch mal ganz unten
nicht immer perfekt
und vor allem
ganz eng und nah
bei mir
Aus einem Lamm
wird nie ein Wolf.
Nur ein Schaf.
Allenfalls
ein Schaf im Wolfspelz.
Doch wer weiß?
Wenn die Not unerträglich
und die Wut groß genug wird,
warum soll dann nicht
aus einem Lamm
ein Wolf,
ja ein Bär, ein Löwe
werden können?
Einen Floh
hat mir die Liebe,
die alte Schelmin,
vor langer Zeit
ins Ohr gesetzt.
Ich kann ihn noch immer husten hören.
Deshalb habe ich
noch immer
einen Frosch im Hals,
bevor ich Dir sage,
dass ich Dich liebe,
Schmetterlinge im Bauch,
wenn ich Dich die Treppe
herauf kommen höre,
Hummeln im Hintern,
sobald ich zu lange
auf Dich warten muss –
wie am ersten Tag.
Sei kein Frosch!
sagt die Liebe.
Das sind kleine Kröten,
schluck sie!
Die Liebe bleibt eben
hochgradig
insektuös und amphib –
auch wenn die Bienen
nicht mehr so flott sind
wie am ersten Tag.
Ein Kännchen Tee,
das auf dem Stövchen summt.
Ein Teddybär,
der beim Wenden zärtlich brummt.
Ein warmes Plaid,
in das ich flauschig eingemummt.
Mein Lieblingslied,
in dem der Alltagslärm verstummt.
Dein Arm um mich,
und mein müdes Herz
summt und brummt,
in Liebe eingemummt,
und alles Leid verstummt.