Im Purzelwald

und lehren die häresie daß der purzelbaum
aus den purzelfrüchten
den purzelblättern
den purzelzweigen
den purzelästen
dem purzelstamm
und den purzelwurzeln besteht

aus: Hans Arp, Die gestiefelten Sterne
(Aus “10 Jaren Stijl” 1917/27; in: Hans Arp: Gesammelte Gedichte. Bd. 1: Gedichte 1903-1939. Zürich 1963, S. 158-160, hier S. 159)

Monsieur Arp, gestatten Sie mir eine Frage:
Sehen Sie denn den Purzelwald
vor lauter Purzelbäumen nicht mehr?

Grammatik der Liebe

Du bist das
Dich zu meinem Mich.
Du bist das
Dir zu meinem Mir.
Du bist das
Dein zu meinem Mein.
Du bist das
Du zu meinem Ich.

Du bist das
Dich auf mein Wohin.
Du bist das
Dir auf mein Woher.
Du bist das
Dein auf mein Warum.
Du bist das
Du auf mein Wozu.

Du bist das Dich,
das ich liebe.
Du bist das Dir,
dem ich vertraue.
Du bist das Dein,
dessen ich gedenke.

Du bist das Du,
das mich liebt.
Du bist das Du,
das mir vertraut,
Du bist das Du,
das mein gedenkt.

Du bist mein, ich bin Dein.
Du gehörst mir, ich gehör’ Dir.
Du liebst mich, ich lieb’ Dich.
Du bist ich, ich bin Du.

Für Dich schreibe ich.
Mit Dir lebe ich.
Deinetwegen bin ich.
Du bist mein Schreiben, mein Leben, mein Sein.

Du bist das
Dich, Dir, Dein, Du
in meinem Leben.

zum 14. Hochzeitstag

Liebe in ihren Elementen

FeuerFeuer gefangen
ins kalte Wasser gesprungen
die Luft angehalten
keinen Fuß mehr auf die Erde bekommen

WasserFeuer und Flamme
Wasser und Wein
Luft und Liebe
Himmel und Erde

Luftdurchs Feuer gegangen
mit allen Wassern gewaschen
aus der Luft gegriffen
auf der Erde geblieben

ErdeFeuer=Werk
Wasser=Fall
Luft=Sprung
Erd=Beben

Bilder: Lyrifant, Acryl auf Leinwand, 10 x 10 cm

Farbpoesie

Ich schreibe
mit SCHWARZer Tinte
auf WEISSes Papier.

Ich schreibe mich
auf den GRÜNen Zweig und
an den ROTen Faden.

Ich schreibe mir
das BLAUe vom Himmel und
das GELBe vom Ei.

Ich schreibe mir
die GRAUe Theorie
in BUNTe Verse um.

Ich schreibe mich
in Farbe.

Schwierige Nähe

Warum darf ich nicht
sprechen über das, was
Dir nahe geht?

Denkst Du,
mir geht es nicht
genauso nahe wie Dir?

Warum willst Du nicht,
dass ich Dir nahe bin in dem, was
Dir nahe ist?

Fürchtest Du,
ich trete Dir zu nahe,
wenn ich Dir nahe sein will
auch in dem, was nur
Dir nahe ist?

Wäre ich Dir näher,
wenn ich Dich allein ließe

mit dem, was
Dir nahe geht,

mit dem, was
Dir nahe ist?

Aber dabei in der Nähe bleibe?

Die Gaben des Dichters

Dem Zorn eine Stimme.
Dem Leid ein Gesicht.

Der Angst den Rücken.
Dem Schmerz eine Schulter.

Dem Unrecht die Stirn.
Dem Frieden die Hand.

Auf die Liebe ein Auge.
Der Menschheit ein Ohr.

Der Welt in den Hintern.
Die Kunst vom Kopf auf die Füße.

Und nicht zuletzt:
Der Suppe ein Haar.