Kunterbunt war ihre Welt.
In allen Farben des Regenbogens schillerten ihre Lebensträume
wie Seifenblasen in der Sonne.
Farbenfroh leuchtete ihre Zukunft
bis zu dem Schuss.
Danach war die Welt schwarz.
Kunterbunt war ihre Welt.
In allen Farben des Regenbogens schillerten ihre Lebensträume
wie Seifenblasen in der Sonne.
Farbenfroh leuchtete ihre Zukunft
bis zu dem Schuss.
Danach war die Welt schwarz.
Am toten Punkt
steht noch nicht einmal
ein Fragezeichen.
In engen Klammern
ist kein Platz für einen
augenzwinkernden Strichpunkt.
Aber
auf der anderen Seite
des Gedankenstrichs
wartet unverdrossen
das lebendige Komma
und sendet
Rufzeichen.
für Hans
Du wirst immer
in unserer Mitte sein
bei jedem guten Glas Wein,
das wir trinken.
Du wirst immer
in unseren Herzen sein
bei jedem guten Konzert,
das wir hören,
bei jedem schönen Bild,
das wir sehen.
Du wirst immer
neben uns sein
bei jedem guten Gedicht,
das wir lesen.
Du wirst immer
hinter mir stehen
bei jedem Gedicht,
das ich schreibe.
Unterbrochen
ist das Gespräch,
das wir eben erst
neu begonnen.
Zerrissen
ist das Band,
das uns gerade
zu Lyrikfreunden
neu verbunden.
Ungeschrieben
bleibt nun das Kapitel,
das unsere fragile Freundschaft
neu aufgeschlagen.
Nachrufen
möchte ich Dir
Worte im Scherz und
Worte im Ernst,
die ich Dir noch hätte sagen wollen,
Geschichten
aus der Welt des Alltags und der Phantasie,
die wir uns nun nicht mehr erzählen können,
Gedichte,
geschriebene und ungeschriebene,
die Du nun nicht mehr lesen wirst.
Ach, gäbe es nur einen Ort,
wohin ich Dir all die
ungesagten Worte,
unerzählten Geschichten
ungelesenen Gedichte
nachrufen könnte!
Was hilft’s:
Ich werde diesen Ort,
den Port meiner Nachrufe,
meiner Rufe Dir nach
finden müssen
in mir.
Schwer ist es,
in der Fremde zu sein.
Schwerer noch,
der Fremde zu sein.
Am schwersten aber,
immer ein Fremder zu bleiben.
Schwer ist es,
in einem anderen Land neu anzufangen.
Schwerer noch,
der Andere zu sein.
Am schwersten aber,
immer der Andere zu bleiben.
Schwer ist es,
eine zweite Heimat zu finden.
Schwerer noch,
zweiter Klasse zu sein.
Am schwersten aber,
immer zweiter Klasse zu bleiben.
Wo Herkunft
zu tauber Erinnerung wird.
Wo Ankunft
ein stummer Wunsch bleibt.
Wo Zukunft
ein blindes Versprechen war.
Dort ist Exil.
Mit fremden Augen
kannst du in dir
die Bilder sehen,
die die eigene Hand
nicht wagt zu malen.
Mit fremden Ohren
kannst du in dir
die Worte hören,
die der eigene Mund
nicht wagt zu sagen.
Mit fremden Sinnen
kannst du in dir
die Liebe erfahren
die das eigene Herz
nicht wagt zu fühlen.
Um nicht verrückt zu werden:
Gib dir einen Ruck und
verrück dich selbst,
rück ein Stück und
verrück dich Stück um Stück und
entrück dich so
dem alltäglichen Wahnsinn.
Wie
kann ich
Dich hören,
wenn mich
Dein Wort
betäubt?
Wie
kann ich
Dich sehen,
wenn mich
Dein Anblick
blendet?
Wie
kann ich
Dich fühlen,
riechen, schmecken,
wenn mir
Deine Gegenwart
die Sinne raubt?
Bitte
töte nicht
in Deinem tiefen Schmerz
die,
die Dich liebt.
Deine Schwester hat Kummer.
Und Sorgen. Dort.
Du bist hier.
Dein Bruder ist im Gefängnis,
Deinetwegen. Dort.
Du bist hier.
Deine Mutter ist krank.
Hat Schmerzen. Dort.
Du bist hier.
Dein Vater liegt im Sterben,
vielleicht. Dort.
Du bist hier.
Exil ist Schmerz.
Der Schmerz ist
dort und hier.
Wir sind
mit unserem Latein
am Ende.
Dann lasst es uns doch
mit unserem Griechisch
versuchen.
Doch wo die Tyrannei der Banken
die Wiege der Demokratie
beherrscht,
kommen wir
mit unserem Griechisch
auch nicht sehr weit.
Dann lasst es uns doch
mit unserem Hebräisch
versuchen.
Doch wo das gelobte Land
den Fluch des Krieges
verbreitet,
reicht unser Hebräisch
noch nicht einmal für
einen neuen Anfang.
Ein “Dich” für mich,
ein “mich” für Dich,
und für jeden von uns
eine Seite vom
“und”.
Und wenn wir uns trennten?
Ein “mich” für mich,
ein “Dich” für Dich,
aber wohin mit dem
“und”?