wortverlassen stehe ich nun da: Wörter, die passen (vielleicht auch: Wörter, die nicht passen, die stören) haben sich von mir zurückgezogen (ich hoffe: sie sind nicht für immer fortgezogen) sie halten sich verborgen vor mir (noch hoffe ich auf ein lustiges Versteckspiel, bei dem ich diejenige sein darf, die suchen muss) doch fehlen sie mir täglich mehr
wortverlassen warte ich auf ihre Rückkehr noch halten sie sich fern, bleiben auf Distanz (vielleicht sind sie mir aber auch zu nah, so dass sie mir von der Zunge, aus den Augen gefallen sind) oder aber sie warten nur dort um die Ecke (ich fürchte: doch eher ganz am anderen Ende) auf eine Zeit, auf einen Raum, in die sie passen (oder eben: in die sie passen, weil sie stören), auf ihre Zeit, auf ihren Raum
wortverlassen bleibt mir nichts als mit ihnen auf sie zu warten (und nicht wortverprassen, will ich nicht wortverpassen)
Sie kommen sicher wieder, mit ein paar neuen Wörtern im Schlepptau 🙂
Dein Wort in der Dichterin Ohr! – Danke für Deine Aufmunterung!
es wird sicher bald auch wieder passen.
(manchmal muss sich erst einmal der raum leeren, bevor er wieder bezogen werden kann. 🙂 )
liebe grüße!
Danke, liebe Andrea, das ist ein guter Gedanke, es positiv zu sehen: Platz für Neues!
wortvergessen + wortversessen, das ist ein schlimmer Zustand, liebe Sabine, und du hast mein Mitgefühl. Immer schwieriger wird die Wortwahl. Alle wollen zu Worte kommen, doch wenn man den Wohnort der Worte erreicht hat, sind sie ausgezogen und woanders untergekommen. Wo Frieden wohnte, herrscht jetzt Krieg, und wo Geschwister zu Hause waren, sind Feinde eingezogen.
Die Vorstellung, dass einem irgendwann selbst alltägliche Wörter nicht mehr einfallen, ist furchtbar! Insofern hoffe ich, dass „wortverlassen“ noch nicht gleich „wortvergessen“ ist …
So viele klangvolle Worte, wie auf einem Piano in Moll gespielt… „wortverlassen“ ist dafür ein schöner Titel.
Gruß Petros
Lieber Petros, „in Moll“ dürfte im Augenblick der angemessene Modus sein … oh, was für eine Welt! Liebe Grüße, Sabine
Hallo Sabine… ich stimme dir zu: „ Was für eine Welt!“ Da verschlägt es einem die Worte… und dennoch sollten wir uns weiter auseinander setzen.
LG Petros
Ja, sich auseinander_setzen, um wieder zu sich und zueinander zu finden.
mein ‘ sitzen Momente ‘ habe ich nachts um 3 in mein Telefon getippt, ich war wach geworden, da waren Worte, und ich hatte nichts anderes zum Schreiben zur Hand. Nicht darauf warten, aber immer für die Worte bereit sein.
Liebe Grüße Wolfgang
Lieber Wolfgang, ja, warten im Sinne von bereit sein, ohne zu zwingen – wie auf reifendes Obst … Liebe Grüße!
Die alte Zwickmühle: wie soll ich den Verlust der Worte beschreiben, außer mit Worten? Mein unfreiwilliger Weg war das poetischer Schweigen. Die Welt hilft mir gerade nicht, es zu brechen. Aber Lesen geht noch …
Obwohl: Die Welt bietet gerade täglich mindestens einen Schreibanlass … wenn auch kaum poetische, da gebe ich Dir Recht!