wenn ein Wort fällt, fang es
auf, ja, ergreife das Wort: fall
dem Wort ins Wort – und, bitte!
lass kein Wort einfach fallen
Wort auf Wort: Poetologisches
ich halte Wort
ich halte mein Wort
(wenn ich denn das Wort bekomme)
und ich würde auch
Dein Wort halten
(wenn Du es mir denn gäbest):
ich halte immer Wort, denn ich bin
(auch wenn ich das Wort gerade nicht habe)
eine notorische Worthalterin
das letzte Wort
ein letztes Wort noch: das letzte Wort
ist hoffentlich noch nicht gesprochen
(und ich hoffe sehr, dies ist nicht
mein letztes Wort, denn das letzte Wort
will ich überhaupt nicht haben)
meine Rede
ja, es ist so meine Redensart,
keine sich mir bietende Redewendung
auszulassen (meine Rede!)
Eingemachtes
leg ein gutes Wort ein
für haltbare Lyrik:
Verse (ausgekocht
und aufgeweckt)
aus der Konserve
als stille Reserve
wortverliebt
zum Jubiläum: Heute vor einem Jahr ist Lyrifant auf https://lyrifant.de umgezogen!
ich schreibe Gedichte, ja – aber
nein, eine Dichterin bin ich nicht:
ich bin nur ein Kind, das spielt
mit Worten wie mit Wörtern –
wortverliebt und wortvergessen
(um nicht zu sagen: wortversessen)
ein Gedicht ist ein Ballett
die Wörter tanzen
sobald ich dichte:
ein Gedicht
ist ein Ballett
und besser könnt’ ich
ihren Tanz nicht choreografieren
als mit den Wörtern selbst
zu tanzen
Rückbesinnung
rück nur das Wort ein
wenig beiseite und schon
hast du – hinterrückworts –
eine gute Aussicht auf
Sinn
Nachtverse
wo Wörter träumen,
erwachen Gedichte
in den Tönen des Wassers
ein Gedicht
will ich schreiben
in den Tönen des Wassers:
in allen Tönen noch
die tiefste Stille
dieser Welt
Eine Reprise unter anderen Vorzeichen von https://lyrifant.de/2023/08/19/in-den-farben-des-wassers/
Wort und Antwort
ein Wort kennt eine Sehnsucht nur:
nichts mehr wünscht es als Antwort:
sei’s ein Widerwort, ein Fürwort, ein Vor-
oder Nachwort, ein Würzwort, ein Beiwort
oder auch nur ein Füllwort, notfalls reicht
ein Unwort –
nur eben ein Wort, ein anderes Wort
neben mir
ich stehe neben mir. lieber
sollte ich mich vor mich stellen
oder hinter mir stehen. doch
ich stehe neben mir. bin also
weder ganz bei mir noch mir
gegenüber. aber immerhin
an meiner Seite.