Sie werfen Dir vor,
dass Du
auch nach so langer Zeit
nur gebrochen Deutsch
sprichst.
Ich denke:
Ach, wenn es doch
nur das Deutsch
wäre, das gebrochen ist.
Sie werfen Dir vor,
dass Du
auch nach so langer Zeit
nur gebrochen Deutsch
sprichst.
Ich denke:
Ach, wenn es doch
nur das Deutsch
wäre, das gebrochen ist.
Ich bin bereit,
mit Dir meinen Schokoladenhasen zu
teilen, aber Du
magst keine Schokolade.
Ich möchte gern
mit Dir meine Lieblingsbücher
teilen, aber Du
machst Dir nicht viel aus Lesen.
Ich will
mit Dir meine Träume
teilen, aber Du
lebst lieber in der Wirklichkeit.
Teilen
ist gar nicht so
einfach, genauso wenig
einfach wie
Lieben.
Wer liebt, teilt,
auch was er nicht
teilen will.
Schwer ist es,
in der Fremde zu sein.
Schwerer noch,
der Fremde zu sein.
Am schwersten aber,
immer ein Fremder zu bleiben.
Schwer ist es,
in einem anderen Land neu anzufangen.
Schwerer noch,
der Andere zu sein.
Am schwersten aber,
immer der Andere zu bleiben.
Schwer ist es,
eine zweite Heimat zu finden.
Schwerer noch,
zweiter Klasse zu sein.
Am schwersten aber,
immer zweiter Klasse zu bleiben.
Wo Herkunft
zu tauber Erinnerung wird.
Wo Ankunft
ein stummer Wunsch bleibt.
Wo Zukunft
ein blindes Versprechen war.
Dort ist Exil.
Mit fremden Augen
kannst du in dir
die Bilder sehen,
die die eigene Hand
nicht wagt zu malen.
Mit fremden Ohren
kannst du in dir
die Worte hören,
die der eigene Mund
nicht wagt zu sagen.
Mit fremden Sinnen
kannst du in dir
die Liebe erfahren
die das eigene Herz
nicht wagt zu fühlen.
Wie
kann ich
Dich hören,
wenn mich
Dein Wort
betäubt?
Wie
kann ich
Dich sehen,
wenn mich
Dein Anblick
blendet?
Wie
kann ich
Dich fühlen,
riechen, schmecken,
wenn mir
Deine Gegenwart
die Sinne raubt?
Bitte
töte nicht
in Deinem tiefen Schmerz
die,
die Dich liebt.
Deine Schwester hat Kummer.
Und Sorgen. Dort.
Du bist hier.
Dein Bruder ist im Gefängnis,
Deinetwegen. Dort.
Du bist hier.
Deine Mutter ist krank.
Hat Schmerzen. Dort.
Du bist hier.
Dein Vater liegt im Sterben,
vielleicht. Dort.
Du bist hier.
Exil ist Schmerz.
Der Schmerz ist
dort und hier.
Ein “Dich” für mich,
ein “mich” für Dich,
und für jeden von uns
eine Seite vom
“und”.
Und wenn wir uns trennten?
Ein “mich” für mich,
ein “Dich” für Dich,
aber wohin mit dem
“und”?
Wort zu Wort
lege ich
mich zu Dir.
Wort an Wort
schmiege ich
mich an Dich.
Wort um Wort
gebe ich
mich um Dich.
Wort für Wort
erfinde ich
Dich für mich,
erfinde ich
mich für Dich.
Wort auf Wort
baue ich
Dich auf mich
mich auf Dich,
baue ich
uns.
Schau
auf einen Augenblick
tief in mich hinein.
Lausch
auf einen Ohrenspitz
dem Klopfen meines Herzens.
Schnupper
mit kurzem Nasenrümpf
den Duft meiner Haut.
Koste
um einen Zungenschmeck
meine Seele in meinem Körper.
Fühl
nur für einen Hautspür
den Puls meiner Liebe.
Liebe geht durch den Magen,
der Darm muss sie erst einmal verdauen.
Sie setzt uns Schmetterlinge in den Bauch,
verschlägt uns den Atem.
Sie geht an die Nieren,
läuft über die Leber,
speit Blut und Galle,
wenn es sein muss.
Sie macht blind,
vernebelt das Gehirn,
trifft mitten ins Herz.
Nur mit der Milz hat sie nichts am Hut.